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4.500 Jahre unter Wasser: Was uralte Krüge über ein verschollenes Handelsschiff verraten

Einfach erklärt

Vor der türkischen Küste haben Forschende alte Krüge auf dem Meeresboden entdeckt. Das Schiff aus Holz ist längst verschwunden, doch die Krüge könnten zeigen, woher die Waren kamen und wie weit Menschen schon vor etwa 4500 Jahren Handel trieben. Wann das Schiff sank und was genau an Bord war, ist noch nicht sicher.

Ein Fund vor Kekova

Vor der türkischen Küste bei Kekova haben Forschende die Ladung eines Schiffs entdeckt, das vermutlich vor rund 4500 Jahren sank. Vom Holz des Schiffs ist nichts erhalten geblieben. Die zwischen Felsen liegenden Tongefäße könnten aber verraten, wo sie hergestellt wurden, welche Waren sie enthielten und wie die Küsten des östlichen Mittelmeers in der frühen Bronzezeit mit weitreichenden Handelsnetzen verbunden waren.

Im flachen Wasser an der Südküste der Türkei lässt sich kein klar erkennbares Schiffswrack nachverfolgen. Erhalten blieb eine Gruppe von Tongefäßen, die sich an einem unter Wasser liegenden Felsabhang ablagerte. Sie zeugt von einer Seereise, die vor Tausenden von Jahren abrupt endete. Anhand der Ladung versucht ein Forschungsteam, das Wrack zeitlich und im Zusammenhang mit dem damaligen Handel einzuordnen. Die Forschenden betonen jedoch, dass die vorgeschlagene Datierung vorläufig ist und noch angepasst werden kann.

Die Krüge liefern Hinweise auf das Alter, nicht das Holz

Nach Einschätzung des Teams stammen Schiff und Ladung wahrscheinlich aus der Zeit zwischen 2700 und 2400 v. Chr. – das wäre vor rund 4500 Jahren. Die Datierung stützt sich nicht auf erhaltene Holzplanken: Das Holz hat die Bedingungen im Meer nicht überstanden, und das Schiff selbst ist nicht mehr zu sehen. Stattdessen ziehen die Forschenden Rückschlüsse aus der Keramik. Dazu gehören die Form der Gefäße und ihre Herstellung, die sich mit bekannten Erzeugnissen aus unterschiedlichen Zeiten und Regionen vergleichen lassen.

Die Zeitspanne ist als erste Schätzung zu verstehen, nicht als endgültige Datierung. Wie die Forschenden hervorheben, könnten sich die vorgeschlagenen Grenzen ändern, wenn weitere Funde und Hinweise untersucht werden. Das Wrack könnte also etwas älter oder jünger sein, als die derzeitige Einschätzung vermuten lässt. Außerdem wurden die Ergebnisse bislang nicht in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift mit Begutachtung durch andere Fachleute veröffentlicht. Die Schlussfolgerungen werden deshalb noch geprüft und weiter ausgearbeitet.

Sollte sich die Datierung bestätigen, wäre das Wrack älter als das Schiffswrack von Dokos vor der griechischen Küste, das vermutlich rund 4200 Jahre alt ist. Vor der Entdeckung bei Kekova galt es als das älteste bekannte Schiffswrack der Welt. Der Vergleich allein beantwortet die Frage nach dem ältesten Wrack jedoch nicht: Dafür müssen das Alter der Fundstücke und ihr Zusammenhang mit dem Fundort weiter überprüft werden. Auch die Datierungen beider Wracks müssen möglichst genau sein.

Wie die Krüge zum Wrack führten

Die Entdeckung begann mit dem Wissen von Menschen, die die Küste und das Meer vor Ort kennen. Hakan Öniz, Associate Professor an der Akdeniz University in Antalya, erforscht seit Jahrzehnten alte Schiffswracks in dieser Gegend. 2024 führten ihn Hinweise lokaler Seeleute zu einer Stelle im flachen Wasser bei Kekova, westlich von Antalya. Anschließend bat Öniz einen auf Wüstenarchäologie spezialisierten Forscher, die Tongefäße zu untersuchen und bei ihrer Datierung zu helfen.

Das Vorgehen zeigt, wie archäologische Arbeit unter Wasser abläuft: Die Fundstücke zu entdecken, ist erst der Anfang. Ausgrabungen im Meer unterscheiden sich von denen an Land. Die Forschenden müssen mit Materialien umgehen, die lange unter Wasser gelegen haben, Funde vorsichtig bergen und sie anschließend so konservieren, dass sie nach dem Herausnehmen aus ihrer Umgebung nicht zerfallen. Der beteiligte Forscher berichtete, dass er dabei neue Feldmethoden und Konservierungstechniken kennenlernte. Das Tauchteam kümmerte sich um die Arbeit am Fundort und barg die Gefäße, die am Abhang festsaßen.

In den vier Monaten vor der Beschreibung der Arbeiten entfernten die Taucher Schichten von Seepocken, die sich auf der Keramik festgesetzt hatten. Es ging nicht einfach darum, Krüge vom Meeresboden aufzuheben: Die Gefäße waren mit einer steil abfallenden Felsfläche verbunden und lagen lange Zeit an einer Stelle, die unter Wasser geschützt war. Das Holz des Schiffs ist verschwunden. Die zerbrochene oder verstreut liegende Ladung ist der deutlichste materielle Hinweis auf das Unglück.

Ein Vorratsgefäß verrät mehr als seinen Inhalt

Die bisher bekannte Ladung besteht aus großen Keramikgefäßen, die Krügen ähneln und in der Archäologie Amphoren genannt werden. Solche Gefäße dienten dazu, Waren aufzubewahren und zu transportieren. Die Forschenden beschreiben sie als große, oval geformte Behälter mit flachem Boden und zwei Henkeln. Bei einigen verläuft ein hervorstehender Tonstreifen um die breiteste Stelle des Gefäßes. Dieses Merkmal könnte dabei helfen, ihre Herkunft nachzuvollziehen und sie mit anderen Gefäßen zu vergleichen.

Keramik mag neben Metallen oder Edelsteinen unscheinbar wirken. Sie bleibt an archäologischen Fundorten jedoch oft erhalten, nachdem viele andere Materialien vergangen sind. Ein Krug kann in zahlreiche Stücke zerbrechen, doch auch seine Scherben lassen sich noch untersuchen. Anhand des Randes, des Bodens und der Henkel sowie der Art, wie der Ton geformt und gebrannt wurde, können Forschende Rückschlüsse auf die Herstellungstradition ziehen. So lässt sich das Gefäß möglicherweise einer bestimmten Region oder einem möglichen Herstellungsort zuordnen.

Solche Funde können gleich zwei Arten von Informationen liefern: Sie geben Hinweise darauf, wo ein Gefäß hergestellt wurde, und darauf, welche Waren darin transportiert werden konnten. Die Form der Krüge hilft zunächst bei einer ungefähren zeitlichen Einordnung. Diese kann anschließend dazu dienen, das Alter anderer gemeinsam gefundener Stücke und möglicherweise auch das des Schiffs einzuschätzen. Daraus folgt jedoch nicht, dass sich anhand eines einzelnen Krugs der Abfahrtshafen oder die Reiseroute bestimmen lässt. Dafür müssen die Forschenden die Formmerkmale mit anderen Untersuchungsergebnissen und dem archäologischen Zusammenhang des Fundorts zusammenführen.

Ersten Einschätzungen zufolge könnten einige Krüge mit dem Tonstreifen im mittleren Jordantal hergestellt worden sein. Möglich ist auch, dass zumindest der dafür verwendete Ton aus dieser Gegend stammt. Beides sind bislang offene Fragen, keine gesicherten Ergebnisse. Sollte sich die Verbindung zum Jordantal bestätigen, würde das darauf hindeuten, dass Materialien oder fertige Produkte eine weite Strecke zurücklegten, bevor sie an die türkische Küste gelangten. Die Krüge verraten für sich genommen aber weder, wie viele Häfen das Schiff anlief, noch in welcher Reihenfolge.

Mögliche Spuren vom Inhalt der Gefäße

Untersucht wird nicht nur die Form der Krüge. In einigen Gefäßen sind Rückstände zu erkennen, die schon mit bloßem Auge sichtbar sind. Sie könnten Hinweise auf die transportierten Waren liefern, wurden bislang aber noch nicht umfassend wissenschaftlich analysiert. Deshalb lässt sich derzeit nicht sicher sagen, was sich darin befand. Als mögliche Inhalte kommen Olivenöl, Wein oder Baumharz infrage – Waren, die im Altertum in der Region gehandelt wurden.

Selbst wenn sich eine Substanz in einem Krug eindeutig bestimmen ließe, wäre damit nicht automatisch bewiesen, dass sie die einzige Ladung des Schiffs war. Vielleicht transportierten die Gefäße unterschiedliche Waren. Ebenso könnten während der Fahrt in verschiedenen Häfen weitere Güter an Bord gekommen sein. Diese Möglichkeiten müssen durch die Untersuchung der Rückstände und den Vergleich mit anderen Hinweisen überprüft werden. Sichtbare Spuren eröffnen den Forschenden eine Chance, solchen Fragen nachzugehen. Sie ersetzen aber keine Analyse und machen aus einer Vermutung noch keine Tatsache.

Ein lokales Wrack in einem größeren Handelsnetz

Die Bedeutung des Schiffs von Kekova geht über den Fundort selbst hinaus. Der Handel über das östliche Mittelmeer im 3. Jahrtausend v. Chr., also zwischen 3000 und 2000 v. Chr., ist weniger gut dokumentiert als der Handel in späteren Zeiten. Was wir über diese Epoche wissen, stammt aus unterschiedlichen Quellen: darunter ägyptische Texte, Keramikgefäße und Rohstoffe, die in alten Gräbern gefunden wurden. Jedes erhaltene Wrack kann deshalb ein weiteres Puzzleteil zu einem bislang lückenhaften Bild beitragen.

Etwa zur selben Zeit tauschte der ägyptische Staat Waren über den Hafen von Byblos im heutigen Libanon. Hinweise auf den Handel Ägyptens zeigen, dass Rohstoffe und Güter ins Land gelangten, die dort nicht in ausreichender Menge vorhanden waren. Dazu zählten Zedernholz, Zinn, Blei, Öle, Baumharz, Lapislazuli und Silber. Das bedeutet nicht, dass das Schiff von Kekova aus Ägypten stammte oder genau diese Waren transportierte. Es zeigt vielmehr, dass das Meer, in dem es sank, Teil einer Handelswelt war, in der Häfen, Waren und Machtzentren miteinander verbunden waren.

Neuere Forschungen liefern weitere Hinweise auf die Größe dieses Handelsnetzes. Sie deuten darauf hin, dass der ägyptische Staat um 2600 v. Chr. Silber erhielt. Analysen des Metalls bringen seinen Ursprung mit den Minen von Laurion östlich des heutigen Athen in Verbindung. Es gibt keinen Beleg dafür, dass das entdeckte Schiff zu diesen Minen segelte oder Silber von dort transportierte. Das Beispiel macht jedoch deutlich, dass Rohstoffe weite Strecken zurücklegen konnten. Der Handel verlief möglicherweise über mehrere Händler, Schiffe und Häfen, statt auf einer direkten Reise zwischen zwei Orten.

Nach der derzeitigen Deutung ist es unwahrscheinlich, dass ägyptische Schiffe all diese weiten Seestrecken selbst zurücklegten. Küstenboote wie das Schiff von Kekova könnten aber einzelne Abschnitte eines größeren Handelsnetzes miteinander verbunden haben. Sie transportierten Waren entlang der Küste und übergaben oder übernahmen sie in verschiedenen Häfen. So lässt sich erklären, wie ein kleiner Fundort mit der Geschichte des internationalen Handels verbunden sein könnte, ohne zu behaupten, dass die Route oder das endgültige Ziel des Schiffs bekannt wären.

Eine Reise, die zwischen zwei Inseln endete

Die Forschenden wissen nicht, in welche Richtung das Schiff unterwegs war, als es sank. Auch sein endgültiges Ziel lässt sich allein aus der Lage des Wracks nicht ablesen. Der Fundort liegt zwischen zwei Inseln in einem Gewässer, das vergleichsweise gut vor Wind geschützt ist. Das wirft die Möglichkeit auf, dass das Schiff während eines Sturms in geschützteres Wasser fuhr und anschließend gegen die nahe gelegenen Felsen prallte. Es ist eine denkbare Erklärung für den Untergang, aber keine gesicherte Darstellung der letzten Augenblicke.

Möglicherweise stammten die Seeleute von der Küste der Levante, wie die Forschenden vermuten. Wer zur Besatzung gehörte, ist jedoch unbekannt. Es gibt keine schriftliche Quelle, die berichtet, was an Bord geschah, und auch vom hölzernen Schiff ist nichts übrig, das Einzelheiten über seine Bauweise oder seine Besitzer verraten könnte. Sicherer sagen lässt sich: Eine Ladung aus Keramik erreichte diese Küste und kam schließlich am felsigen Abhang zu liegen. Der Ort bewahrte einen Teil der Spuren dieser Reise, obwohl das Schiff selbst längst vergangen ist.

Entlang der südtürkischen Küste liegen zahlreiche alte Schiffswracks. Die Region ist für bedeutende Unterwasserfunde bekannt, auch wenn die Unterwasserarchäologie als Fachgebiet noch vergleichsweise jung ist. Kekova ist damit einer von vielen Fundorten, die möglicherweise noch ungeprüfte Informationen bergen. Der Wert des Wracks liegt aber nicht in dem überzogenen Versprechen, die gesamte Geschichte neu zu schreiben. Es kann vielmehr neue Belege zur Herstellung von Gefäßen, zum Warenverkehr und zu den Verbindungen zwischen den Küstengemeinschaften der frühen Bronzezeit liefern.

Fazit

Das Wrack von Kekova lenkt den Blick auf ein Schiff, von dem kaum noch Holz zu sehen ist, während seine Krüge fast 4500 Jahre auf dem Meeresboden überdauert haben. Die vorläufige Datierung setzt die Ladung zwischen 2700 und 2400 v. Chr. an; dieser Zeitraum könnte sich noch ändern. Die Ergebnisse sind zudem noch nicht in einer begutachteten Fachzeitschrift veröffentlicht. Anhand der Gefäßformen, ihrer Herstellung und möglicher Inhaltsreste hoffen die Forschenden, mehr über die Herkunft der Waren und ihre Verbindungen zu den Häfen des östlichen Mittelmeers herauszufinden. Welche Route das Schiff nahm, wer an Bord war und was genau in den Krügen lag, bleibt offen. Der Fund ist dennoch wichtig: Er liefert einen greifbaren neuen Hinweis auf eine maritime Vergangenheit, über die bislang nur wenig bekannt ist.