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62,4 statt 4,2 Nanometer: Ein Kupfertrick macht das Polieren von Siliziumkarbid viel schneller

Einfach erklärt

Siliziumkarbid ist ein wichtiger Werkstoff für leistungsstarke elektronische Bauteile, lässt sich aber nur schwer glatt polieren. Forschende haben einen kupferhaltigen Zusatz entwickelt, der den Polierprozess deutlich beschleunigt, ohne die Oberfläche rau zu machen. Ob das auch in großen Fabriken und bei anderen Werkstoffen funktioniert, muss sich erst noch zeigen.

Ein nützlicher Werkstoff, der sich nur schwer bearbeiten lässt

Kristallines 4H-Siliziumkarbid kommt in der Leistungselektronik und in Geräten für hohe Frequenzen zum Einsatz. Es leitet Wärme gut ab. Seine große Bandlücke und seine chemische Stabilität machen es außerdem für Anwendungen geeignet, bei denen Bauteile harten Betriebsbedingungen standhalten müssen. Doch gerade die Eigenschaften, die den Werkstoff so nützlich machen, erschweren seine Verarbeitung: Die Oberfläche reagiert nur träge. Mit den üblichen chemischen Verfahren lässt sich daher nicht schnell genug Material abtragen.

Beim chemisch-mechanischen Polieren, kurz CMP, wirken zwei Prozesse zusammen: Chemische Reaktionen verändern die äußerste Schicht, anschließend tragen Schleifpartikel sie mechanisch ab. Bei 4H-SiC liegt die Abtragsrate mit herkömmlichen Verfahren oft unter 10 Nanometern pro Minute. Das kostet Zeit und Geld. Außerdem können Kratzer oder Schäden unter der Oberfläche entstehen, die später die Qualität des fertigen Bauteils beeinträchtigen.

Ein möglicher chemischer Ansatz ist die Nutzung von Fenton-Reaktionen. Dabei entstehen besonders reaktionsfreudige Hydroxylradikale. Sie können die widerstandsfähige Siliziumkarbidoberfläche oxidieren und einen Teil davon in eine Oxidschicht umwandeln, die sich leichter entfernen lässt. Herkömmliche Katalysatoren auf Eisenbasis arbeiten jedoch am besten in stark saurer Umgebung. Beim Polieren von Silizium kommen dagegen häufig alkalische Lösungen zum Einsatz, weil sich darin hydratisiertes Siliziumoxid rasch auflöst. Gesucht ist also ein Betriebsbereich, in dem Oxidation, Abtrag der Oxidschicht und die Anforderungen der Anlagen zusammenpassen – ohne dass große Mengen an Zusätzen nötig sind, um den pH-Wert einzustellen.

Entscheidend ist, wie die Kupferatome eingebettet sind

Das Team entwickelte ein Material namens Cu/ZIF-8. Dabei handelt es sich um ein metallorganisches Gerüst, das durch den Einbau von Kupfer verändert wurde. Metallorganische Gerüste, kurz MOFs, sind poröse Materialien aus Metallbausteinen und organischen Verbindungen. Die Forschenden wollten das Kupfer nicht einfach nur der Polierflüssigkeit beimischen. Stattdessen veränderten sie die unmittelbare Umgebung seiner Atome, damit diese besser mit Wasserstoffperoxid reagieren können – einem Bestandteil, der an der Bildung oxidierender Radikale beteiligt ist.

Die Herstellung erfolgte durch Ionenaustausch und teilweise Hydrolyse. Einige Kupferatome ersetzten Zink in der Struktur; zugleich gelangten sauerstoffhaltige Gruppen in die Nähe des Kupfers. Das Grundgerüst von ZIF-8 blieb dabei erhalten. So entstand eine asymmetrische Umgebung aus Bindungen mit Stickstoff und Sauerstoff. Strukturelle Messungen ergaben, dass lokal 3,9 Atome an ein Kupferzentrum gebunden waren – also annähernd vier. Ihre Anordnung um das Kupfer herum war jedoch nicht symmetrisch.

Solche Details auf atomarer Ebene beeinflussen, wie die Elektronenorbitale des Kupfers mit den benachbarten Atomen wechselwirken. Der Interpretation der Studie zufolge erleichtert die veränderte Anordnung den Wechsel zwischen den Oxidationsstufen Cu(II) und Cu(I). Dieser Kreislauf ist wichtig, damit der Katalysator aktiv bleibt. Durch die Veränderung sank die spezifische Oberfläche des Materials von 1715 auf 1485 Quadratmeter pro Gramm. Trotz dieses Rückgangs blieb sie groß genug, um Reaktionen mit Wasserstoffperoxid zu ermöglichen.

Wie prüfte das Team seine Idee?

Um die Entstehung des Materials und seine Wirkung zu untersuchen, stützten sich die Forschenden nicht auf eine einzelne Messung. Sie nutzten Röntgenbeugung, Infrarotspektroskopie, Elektronenmikroskopie und Elementkarten, um Struktur, Form und Kupferverteilung zu untersuchen. Mit Röntgenmessungen bestimmten sie außerdem die Oxidationsstufen des Kupfers und seine lokalen Bindungen an Stickstoff und Sauerstoff. Wie viel Kupfer im Material enthalten war und wie viel davon möglicherweise in die Flüssigkeit überging, ermittelten sie mithilfe der optischen Emissionsspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma.

Für den Nachweis freier Radikale verwendete das Team die Elektronenspinresonanz, kurz EPR. Ergänzend berechneten die Forschenden mögliche Reaktionsabläufe mit der Dichtefunktionaltheorie. Sie verglichen Modelle für zinkhaltiges ZIF-8, für eine Struktur, in der Kupfer Zink ersetzt, und für ein Kupferzentrum mit drei Stickstoffatomen und einem Sauerstoffatom in seiner unmittelbaren Umgebung. Der Vergleich erlaubt es, zunächst den Effekt des Kupfers und anschließend den zusätzlichen Einfluss der asymmetrischen Bindungsanordnung abzuschätzen. Das Rechenmodell beschreibt allerdings ein typisches lokales Zentrum; im tatsächlichen Material gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Kupferumgebungen.

Anschließend gaben die Forschenden Cu/ZIF-8 zu einer Poliermischung aus Wasserstoffperoxid, Siliziumdioxid-Schleifpartikeln und einem Dispergiermittel. Sie untersuchten die Oxidation mit elektrochemischen Verfahren und Oberflächenanalysen. Die Rauheit bestimmten sie mithilfe eines Rasterkraftmikroskops und eines Weißlichtinterferometers. So konnten sie zwei Fragen getrennt prüfen: Beschleunigt der Katalysator tatsächlich die chemische Reaktion? Und führt der stärkere Materialabtrag zu Kratzern oder einer raueren Oberfläche?

Die Messwerte zeigen mehr Aktivität und einen schnelleren Abtrag

Die EPR-Messungen zeigten, dass Cu/ZIF-8 deutlich mehr Hydroxylradikale erzeugte als die Vergleichsmaterialien. Die gemessene Konzentration war 17,9-mal so hoch wie bei Eisenoxid Fe3O4, 27,1-mal so hoch wie bei unverändertem ZIF-8 und 131,1-mal so hoch wie bei Wasserstoffperoxid allein. Die Vergleiche sprechen dafür, dass die Kombination aus Kupfer und veränderter atomarer Umgebung die Radikalbildung deutlich steigerte – und nicht bloß das Oxidationsmittel in der Flüssigkeit dafür verantwortlich war.

Die Berechnungen liefern eine mögliche Erklärung für dieses Verhalten. Die berechnete Energielücke sank von 3,67 Elektronenvolt im ZIF-8-Modell auf 2,53 Elektronenvolt im Cu/ZIF-8-Modell. Auch die berechnete Adsorptionsenergie von Wasserstoffperoxid veränderte sich: von einem positiven Wert von 0,42 Elektronenvolt zu einem negativen Wert von −0,66 Elektronenvolt. Das deutet darauf hin, dass Wasserstoffperoxid an der Katalysatorstelle günstiger gebunden wird. Die Energie, die zum Aufbrechen der Sauerstoff-Sauerstoff-Bindung nötig ist, sank auf 0,47 Elektronenvolt. Das passt dazu, dass Wasserstoffperoxid leichter aktiviert und seine Bindung einfacher gespalten werden kann.

Diese Ergebnisse passen zu einem Modell des katalytischen Kreislaufs, bei dem Ladungsübertragung aus den Bindungen auf das Kupfer nach der Reaktion aktive Cu(I)-Zentren wiederherstellt. Die Deutung wird durch Berechnungen und Messungen gestützt, zeigt aber nicht unmittelbar jeden einzelnen Schritt, der in der Flüssigkeit abläuft. Eine Analyse der polierten Oberfläche ergab einen höheren Sauerstoffanteil und Veränderungen der Silizium- und Kohlenstoffbindungen hin zu oxidierten Formen. Elektrochemische Impedanzmessungen lieferten außerdem Hinweise auf eine dickere Oxidschicht, die anschließend von den Schleifpartikeln abgetragen werden kann.

Im wichtigsten Versuch erreichte der Materialabtrag bei 4H-SiC mit dem Katalysator 62,4 Nanometer pro Minute. Ohne Katalysator waren es 4,2 Nanometer pro Minute. Unter den neutralen Versuchsbedingungen war das keine kleine Verbesserung, sondern ein deutlicher Sprung. Der Messwert allein bedeutet jedoch nicht, dass das Verfahren schon für die industrielle Fertigung bereit ist. Er stammt aus einem bestimmten Labortest und muss unter realen Produktionsbedingungen wiederholt und auf größere Maßstäbe übertragen werden.

Schneller poliert, trotzdem glatt – aber noch nicht ohne offene Fragen

Das Rasterkraftmikroskop maß eine Rauheit Ra von 0,36 Nanometern auf einer Fläche von 10 × 10 Quadratmikrometern. Das Weißlichtinterferometer ermittelte auf einer größeren Fläche von 165 × 137 Mikrometern einen Sa-Wert von 0,554 Nanometern. Auf den Mikroskopbildern waren Kratzer kaum noch zu erkennen. Dass die Messflächen unterschiedlich groß waren, macht deutlich, warum bei Rauheitswerten auch Messmethode und untersuchter Bereich angegeben werden müssen: Jedes Gerät erfasst einen anderen Ausschnitt und andere Größenordnungen der Oberflächenstruktur.

Eine Raman-Analyse zeigte, dass der Polierprozess Schäden unter der Oberfläche beseitigt hatte, die schon vor dem Polieren vorhanden waren. Das ist wichtig, denn verborgene Defekte sind auf Bildern der Oberfläche allein nicht unbedingt zu sehen. Allerdings entstanden durch die mechanische Scherwirkung während des Polierens auch einige wenige periodische Stapelfehler. Die Ergebnisse belegen also keine Oberfläche, die vollkommen frei von Veränderungen ist. Vielmehr erreichte das Verfahren einen Ausgleich: Der Materialabtrag wurde schneller, die Oberfläche blieb sehr glatt, und eine begrenzte strukturelle Veränderung blieb als Punkt für weitere Untersuchungen bestehen.

Mit Kontrollversuchen prüfte das Team, ob die Cu/ZIF-8-Partikel selbst als zusätzliche Schleifkörner wirken könnten. Die Ergebnisse stützten diese Erklärung nicht. Vielmehr deuteten sie darauf hin, dass der Fortschritt auf der katalytisch verstärkten Bildung chemischer Radikale an den Kupferzentren beruhte. Außerdem bestimmten die Forschenden, wie viel gelöstes Kupfer in der neutralen Abfallflüssigkeit zurückblieb: 0,045 Milligramm pro Liter. Für den berichteten Versuch ist das eine begrenzte Menge. Allein daraus lässt sich jedoch weder die langfristige Umweltwirkung noch das Verhalten des Kupfers in einer großen Industrieanlage ableiten.

Was die Studie noch nicht belegt

Die Forschenden testeten den Katalysator außerdem an der Titanlegierung Ti-6Al-4V. Unter leicht sauren Bedingungen mit einem pH-Wert von 5,5 berichteten sie von einem höheren Abtrag und einer geringeren Rauheit. Dieser zusätzliche Versuch ist jedoch getrennt vom Hauptergebnis zu Siliziumkarbid zu betrachten. Er belegt nicht, dass der Ansatz bei allen Halbleitern oder Metallen gleich gut funktioniert. Für Materialien, deren Oberflächen ebenfalls schwierig zu bearbeiten sind – darunter Galliumnitrid und Diamant –, sind weitere direkte Versuche nötig.

Auch wichtige praktische Fragen lassen sich mit den kurzen Versuchen noch nicht beantworten. Die Studie prüfte nur eine Kupferbeladung. Deshalb ist noch offen, wie sich ein anderer Kupferanteil oder eine veränderte Verteilung der aktiven Zentren auf Leistung und Stabilität auswirken würden. Die aktiven Stellen könnten durch eine Schädigung der Struktur oder durch angesammelte Reaktionsprodukte an Wirksamkeit verlieren. Ungeklärt sind außerdem die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens, seine Vereinbarkeit mit bestehenden Fertigungslinien und die Frage, ob Abtragsrate und Oberflächenglätte im Langzeitbetrieb und auf großen Produktionsflächen konstant bleiben.

Der begleitende Hinweis zur Studie ist ebenfalls zu beachten: Untersucht wurde eine vorläufige Fassung der Arbeit, die noch nicht abschließend redigiert worden war. Die Ergebnisse sind deshalb als vielversprechender Forschungsbefund zu verstehen, nicht als endgültiges Urteil. Die Studie erschien 2026 in Nature Communications und stammt von Cao, Zhang und ihren Kolleginnen und Kollegen. Angaben zur Forschungseinrichtung waren im verfügbaren Material nicht enthalten. Der Hinweis entwertet die Messwerte nicht, ordnet sie aber richtig ein: Sie müssen unabhängig geprüft, wiederholt und auf größere Maßstäbe übertragen werden.

Fazit

Der Versuch mit Cu/ZIF-8 zeigt, dass sich Oxidationsreaktionen in einer neutralen Polierflüssigkeit möglicherweise beschleunigen lassen, indem man die Atome rund um ein Kupferzentrum gezielt anordnet. Bei 4H-SiC stieg die Abtragsrate in den Tests von 4,2 auf 62,4 Nanometer pro Minute. Zugleich lag die gemessene Rauheit unter einem Nanometer, Kratzer waren nahezu verschwunden und der Anteil gelösten Kupfers betrug 0,045 Milligramm pro Liter. Ob der Katalysator auch in der industriellen Fertigung dauerhaft aktiv bleibt und sich die Methode auf weitere Werkstoffe übertragen lässt, ist noch offen. Als Nächstes braucht es längere Tests, unterschiedliche Kupferbeladungen und Versuche mit realistischen Materialien und Produktionsflächen.