Einfach erklärt
Am 31. Oktober 2015 flog ein Asteroid an der Erde vorbei. Auf Radarbildern sah seine Oberfläche wie ein Totenschädel aus, doch er war weit genug entfernt, um keine Gefahr darzustellen. Entdeckt wurde er erst wenige Wochen zuvor. Seine Geschichte zeigt, warum es wichtig ist, solche Himmelskörper möglichst früh zu finden und ihre Flugbahn zu beobachten.
Ein Halloween-Besuch aus dem All
In der Halloween-Nacht 2015 schien der Himmel mit einem ungewöhnlichen Anblick zur Jahreszeit zu passen: Ein Gesteinsbrocken flog an der Erde vorbei, und auf Radarbildern erinnerten seine Form und Oberfläche manche Beobachter an einen menschlichen Schädel. Der Asteroid war jedoch nicht auf Kollisionskurs, und es gab keinen Grund zur Sorge. Dass er erst wenige Wochen vor seinem Vorbeiflug entdeckt worden war, machte die Geschichte trotzdem mehr als nur zu einer unheimlichen Kalenderzufälligkeit.
Seinen ungewöhnlichen Auftritt verdankte der Himmelskörper dem passenden Zeitpunkt und seinem auffälligen Aussehen. Die NASA gab ihm den Spitznamen „Great Pumpkin“, außerdem wurde er oft als „Halloween-Asteroid“ bezeichnet. An seiner Natur änderten diese Namen nichts: Es war ein Asteroid, der in Erdnähe vorbeizog. Der vermeintliche Totenschädel war ein visueller Eindruck, den die Form auf den Radarbildern hervorrief – kein Hinweis auf ein fremdes Objekt oder einen Körper, der absichtlich wie ein Mensch gestaltet worden wäre.
Ein gruseliger Termin, aber sicherer Abstand
Am 31. Oktober 2015 passierte der offiziell 2015 TB145 genannte Asteroid die Erde. Am erdnächsten Punkt seiner Bahn betrug der Abstand zwischen ihm und unserem Planeten etwa 300.000 Meilen beziehungsweise rund 483.000 Kilometer. Das entspricht ungefähr dem 1,3-Fachen der mittleren Entfernung zwischen Erde und Mond. Nach Maßstäben des Weltraums war das ein relativ naher Vorbeiflug, eine Gefahr für die Erde bestand aber nicht.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der Bezeichnung „erdnah“ und der Aussage, ein Objekt werde mit der Erde zusammenstoßen. „Erdnah“ beschreibt hier die Lage der Umlaufbahn im Verhältnis zur Erdbahn. Es bedeutet nicht, dass ein Einschlag bevorsteht. Bei 2015 TB145 lag der geringste Abstand über der mittleren Entfernung zum Mond, und die damals beobachtete Bahn deutete auf keinerlei Gefahr für die Erde hin.
Der zeitliche Zufall bescherte dem Objekt einen eingängigen Spitznamen. Die NASA nannte es „Great Pumpkin“, im Umlauf war auch die Bezeichnung „Halloween-Asteroid“. Doch solche Namen sagen nichts über seine tatsächliche Beschaffenheit aus. Es handelte sich um einen Asteroiden, der an der Erde vorbeiflog. Dass seine Oberfläche auf Radarbildern an einen Schädel erinnerte, war ein Vergleich, den Beobachter aufgrund der sichtbaren Form zogen – kein Beleg für ein künstliches oder menschenähnliches Objekt.
Drei Wochen zwischen Entdeckung und Vorbeiflug
Als 2015 TB145 entdeckt wurde, wussten die Astronomen noch nicht, wie er aussah. Forschende spürten den Himmelskörper etwa drei Wochen vor seiner Annäherung am Pan-STARRS-Observatorium auf Hawaii auf. Anschließend erhielt er seinen offiziellen Namen, unter dem er in den Katalogen kleiner Himmelskörper geführt wird. Die Zeit reichte aus, um seine Bahn weiterzuverfolgen und Beobachtungen zu planen. Zugleich zeigt die Geschichte: Einen Himmelskörper zu entdecken heißt nicht, sofort ein klares Bild von ihm zu haben.
Ein Observatorium kann einen sich bewegenden Lichtpunkt am Himmel erkennen und seine Position verfolgen. Um Einzelheiten über seine Form herauszufinden, braucht es jedoch andere Beobachtungsmethoden. Im Fall von 2015 TB145 entstanden die Bilder, die den Asteroiden berühmt machten, erst mit dem Arecibo-Observatorium in Puerto Rico – und zwar am Tag vor Halloween. Der Eindruck eines „Schädels“ entwickelte sich also kurz vor dem Vorbeiflug und nicht schon bei der ersten Entdeckung.
Die Abfolge macht deutlich, dass die Entdeckung eines Asteroiden schrittweise erfolgt: Zunächst wird ein Objekt bemerkt, dann seine Bewegung dokumentiert und seine Bahn genauer berechnet. Danach kommen geeignete Instrumente zum Einsatz, um weitere Eigenschaften zu untersuchen. Ein einzelnes Bild oder eine einmalige Beobachtung liefert noch keine vollständige Beschreibung. Erst wiederholte Messungen über einen längeren Zeitraum helfen, die Bewegungsrichtung zu verstehen und abzuschätzen, welchen Abstand der Himmelskörper bei seiner Annäherung erreichen wird.
Wie Radar die Form sichtbar machte
Die Aufnahmen von 2015 TB145 waren Radaraufnahmen und keine gewöhnlichen Fotografien. Die veröffentlichte Bildserie bestand aus acht einzelnen Radarbildern, die am 31. Oktober 2015 aufgenommen wurden. Die Beobachtungen erfolgten mit der Antenne DSS-14 in Goldstone, Kalifornien, in Zusammenarbeit mit dem Green-Bank-Teleskop im Bundesstaat West Virginia.
Die Radarbilder ermöglichten den Beobachtern, sich ein Bild von der Form des Asteroiden zu machen – Informationen, die bei seiner Entdeckung noch nicht vorlagen. Aus journalistischer Sicht entstand der Überraschungseffekt gerade durch den Wandel: Aus einem entfernten Lichtpunkt am Himmel wurde ein Objekt, dessen Umrisse vergleichsweise gut zu erkennen waren. Der offizielle Name allein ließ keine besondere Gestalt erwarten; erst die Aufnahmen führten viele Menschen zum Vergleich mit einem Totenschädel. Dabei sollte man den bildhaften Eindruck nicht mit einer exakten Darstellung oder dem vertrauten Aussehen eines Gegenstands auf der Erde verwechseln. Es handelt sich um eine Beschreibung dessen, was die Radardaten nahelegten.
Die Geschichte zeigt außerdem, wie unterschiedlich die Aufgaben der beteiligten Observatorien waren. Pan-STARRS auf Hawaii trug dazu bei, den Asteroiden Wochen zuvor aufzuspüren. Die Radaranlagen in Arecibo, Goldstone und Green Bank lieferten zusätzliche Informationen über sein Aussehen. Die Einrichtungen hatten also nicht alle zur selben Zeit dieselbe Aufgabe. Ihre Beobachtungen ergänzten einander und ermöglichten so ein besseres Verständnis eines Himmelskörpers, der in Erdnähe vorbeizog.
Warum Fachleute den Vorbeiflug beachteten
Wichtig war der Asteroid nicht, weil er der Erde gefährlich nahe gekommen wäre. Vielmehr erinnerte sein Vorbeiflug ganz praktisch daran, wie wichtig die Beobachtung erdnaher Objekte ist – und dass der Zeitpunkt ihrer Entdeckung eine entscheidende Rolle spielt. Je früher ein Himmelskörper erkannt und seine Bewegung verfolgt wird, desto mehr Zeit bleibt für weitere Beobachtungen und genauere Berechnungen seiner Bahn. Wird ein Objekt spät entdeckt, gibt es weniger Gelegenheit, es zu untersuchen, selbst wenn nichts auf einen Zusammenstoß hindeutet.
2015 verglich die NASA die Annäherung von 2015 TB145 mit dem damals erwarteten Vorbeiflug eines anderen Asteroiden, 1999 AN10. Einer Schätzung zufolge, die das Jet Propulsion Laboratory der NASA damals veröffentlichte, war dieser Himmelskörper etwa 2.600 Fuß – rund 800 Meter – groß. Für August 2027 wurde erwartet, dass er die Erde in ungefähr einer Mondentfernung passieren würde: etwa 238.000 Meilen. Dieser Vergleich bezog sich auf die damals verfügbaren Angaben zu Zeitpunkt und Abstand. Er war keine Ankündigung einer bestätigten Bedrohung.
Der Vergleich macht deutlich, dass „naher Vorbeiflug“ nicht immer dasselbe bedeutet. Entscheidend sind unter anderem die Größe des Objekts, sein Abstand zur Erde, der Zeitpunkt der Beobachtung und die Genauigkeit der verfügbaren Informationen über seine Bahn. 1999 AN10 wurde im Zusammenhang mit 2015 TB145 erwähnt, weil es um die damals bekannten und erwarteten Begegnungen größerer Objekte ging. Die beiden Asteroiden wurden damit weder als ähnlich geformt noch als ähnlich auf ihrer Bahn beschrieben.
Die Beobachtung erdnaher Objekte
Die NASA sucht über ihr Programm zur Beobachtung erdnaher Objekte nach solchen Himmelskörpern, erfasst sie und verfolgt die Bahnen einiger von ihnen. Das Programm zur Suche nach und Erfassung von erdnahen Objekten wird gelegentlich auch „Spaceguard“ genannt. Im Kern geht es darum, nach und nach ein Gesamtbild der Objekte zu gewinnen, die in Erdnähe vorbeiziehen. Ihre Bewegungen lassen sich anhand von Beobachtungen abschätzen, statt jeden Vorbeiflug als isoliertes Ereignis ohne weiteren Zusammenhang zu betrachten.
Das Minor Planet Center führt einen Katalog erdnaher Objekte. Beobachtungsdaten werden genutzt, um das Wissen über ihre Positionen und Bahnen laufend zu aktualisieren. Ein Katalog bedeutet nicht, dass jedes Objekt bekannt ist oder jede Umlaufbahn gleich genau bestimmt wurde. Er zeigt aber, wie wichtig eine geordnete Erfassung und fortlaufende Beobachtung sind. Werden Positionen wiederholt gemessen, lassen sie sich über die Zeit vergleichen. So können Fachleute die Bewegungsrichtung besser nachvollziehen und künftige Positionen genauer vorhersagen.
Den Angaben der Quelle zum Programm zufolge waren keine glaubwürdigen Hinweise auf eine Einschlagsgefahr bekannt. Dass zu einem bestimmten Zeitpunkt keine Gefahr bekannt ist, macht die Möglichkeit eines großen Asteroiden jedoch nicht unmöglich. Deshalb werden Suche und Beobachtung fortgesetzt. Diese Unterscheidung ist wichtig: Aus einer allgemeinen Möglichkeit sollte man keinen Alarm ableiten. Umgekehrt ist das Fehlen einer bestätigten Gefahr kein Grund, die Beobachtung des Himmels einzustellen.
Ein deutlich entfernterer Vorbeiflug 2018
Am 11. November 2018 kam 2015 TB145 erneut in die Nähe der Erde, diesmal allerdings nicht annähernd so nah wie 2015. Der Abstand betrug etwa 24 Millionen Meilen oder rund 38 Millionen Kilometer. Nach Angaben des Jet Propulsion Laboratory entsprach das ungefähr einem Viertel der Entfernung zwischen Erde und Sonne.
Die Rückkehr zeigt, dass ein „erneuter Vorbeiflug“ nicht bedeutet, dass sich ein nahes Ereignis wiederholt. Derselbe Himmelskörper kann bei einer späteren Gelegenheit erneut in der Umgebung der Erde erscheinen, während sein Abstand zu unserem Planeten ganz anders ausfällt. Der Vorbeiflug von 2018 lag deutlich weiter entfernt als jener an Halloween 2015. So lassen sich die beiden Ereignisse richtig einordnen: Der erste Vorbeiflug weckte wegen seiner relativen Nähe, des passenden Datums und der auffälligen Form großes Interesse. Der zweite war ein weit entfernter Vorbeiflug und unterschied sich beim Abstand deutlich vom ersten.
Darum ist es sinnvoll, jeden Vorbeiflug in einem größeren Zusammenhang zu dokumentieren, statt nur festzuhalten, der Asteroid sei „zurückgekehrt“. Abstand, Datum und die bei jeder Begegnung gewonnenen Daten bestimmen, wie bedeutsam ein Ereignis ist. Bei 2015 TB145 veranschaulicht der Unterschied zwischen etwa 300.000 Meilen beim Vorbeiflug 2015 und 24 Millionen Meilen im Jahr 2018 besonders deutlich, dass die beiden Begegnungen nicht gleich nah waren.
Warum eine frühe Entdeckung zählt
Die Geschichte dieses Asteroiden ist kein Beleg dafür, dass die Erde in Gefahr war. Sie veranschaulicht vielmehr eine Herausforderung bei der Beobachtung: Ein Himmelskörper kann, wie in diesem Fall, erst wenige Wochen vor seinem Vorbeiflug entdeckt werden. Anschließend kommen durch den Einsatz verschiedener Instrumente weitere Informationen hinzu. Die verfügbare Zeit reicht aus, um sich auf das Objekt zu konzentrieren und seine Bewegung zu verfolgen. Radarbilder wiederum helfen dabei, nicht nur seine Existenz festzustellen, sondern auch mehr über seine Form zu erfahren.
Die drei Wochen bis zum Vorbeiflug sind keine allgemeine Regel für alle Himmelskörper. Sie beschreiben den Zeitraum, in dem 2015 TB145 vor seiner Annäherung entdeckt wurde. Dennoch machen sie die Frage nach dem Zeitpunkt der Beobachtung anschaulich: Was können Astronomen über einen herannahenden Himmelskörper herausfinden, und wie viel Zeit bleibt ihnen, um Daten zu sammeln? Das Beispiel zeigt, dass die Beobachtung erdnaher Objekte mehrere Schritte umfasst – ihre Entdeckung, die Bestimmung ihrer Bahn und die Verbesserung der verfügbaren Informationen über sie.
Das öffentliche Interesse an der schädelähnlichen Form kann helfen, Aufmerksamkeit auf ein größeres wissenschaftliches Thema zu lenken, solange die Aufregung die Fakten nicht überlagert. Der Halloween-Termin passte, und das Aussehen war auffällig. Die Zahlen aber zeigen, was tatsächlich geschah: 2015 zog der Asteroid in sicherem Abstand vorbei, er war drei Wochen zuvor entdeckt und einen Tag vor dem Vorbeiflug mit Radar aufgenommen worden. 2018 passierte er die Erde dann in deutlich größerer Entfernung.
Fazit
2015 TB145 vereinte mehrere ungewöhnliche Umstände: Am 31. Oktober 2015 flog er relativ nahe an der Erde vorbei, Radarbilder ließen seine Oberfläche wie einen Totenschädel wirken, und sein Spitzname knüpfte an Halloween an. Trotzdem blieb er mit etwa 300.000 Meilen Abstand – dem 1,3-Fachen der mittleren Entfernung zum Mond – ungefährlich. Entdeckt wurde er rund drei Wochen vor dem Vorbeiflug auf Hawaii; Arecibo zeigte sein Aussehen am Tag zuvor auf Radarbildern.
Die wichtigste Lehre hat nichts mit der Angst vor einem einzelnen Asteroiden zu tun. Sie liegt darin, wie wichtig kontinuierliche Beobachtungen und aktuelle Verzeichnisse erdnaher Objekte sind. Als 2015 TB145 im November 2018 zurückkehrte, war er etwa 24 Millionen Meilen entfernt – ein Beispiel dafür, wie stark sich die Bedingungen von einem Vorbeiflug zum nächsten unterscheiden können. Die Geschichte des „Halloween-Asteroiden“ erinnert daran, dass hinter einem unheimlichen Bild ein harmloses Ereignis stecken kann. Um mögliche Gefahren einzuschätzen, braucht es genaue Beobachtungen und klare Zahlen, nicht nur aufregende Vergleiche.