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Bayer setzt auf neue Medikamente – doch der Geldfluss bleibt negativ.

Einfach erklärt

Bayer verkauft mehr von einigen neuen Medikamenten und erwartet deshalb höhere Gewinne. Trotzdem verliert der Konzern weiterhin Geld, und Rechtsstreitigkeiten kosten viel. Auch in der Landwirtschaft und bei frei verkäuflichen Gesundheitsprodukten läuft es nicht überall gut. Bayer steht also besser da, hat aber noch große Probleme zu lösen.

Der Wachstumsmotor rückt wieder in den Mittelpunkt

Im dritten Quartal war die Sparte für verschreibungspflichtige Medikamente der wichtigste Lichtblick. Ihr Umsatz erreichte 4,680 Milliarden Euro. Das entspricht einem nominalen Plus von 8,0 %; bereinigt um Wechselkurse und Veränderungen im Unternehmensportfolio lag das Wachstum bei 6,4 %. Besonders stark legten Nubeqa zur Krebsbehandlung und Kerendia gegen chronische Nierenerkrankungen und Herzinsuffizienz zu.

Der bereinigte Umsatz mit Nubeqa stieg um 58,3 % und lag allein im Quartal bei knapp einer Milliarde Euro. Kerendia wuchs um 64,9 % und erreichte eine Umsatzmarke, die in der Branche oft als Zeichen dafür gilt, dass ein Medikament breit etabliert ist: In den zwölf Monaten bis zum 30. September 2026 setzte Bayer damit mehr als eine Milliarde Euro um. Die Entwicklung ist für den Konzern besonders wichtig, weil das Wachstum nicht nur von einem einzigen Produkt getragen wird. Vielmehr gewinnen mehrere Medikamente am Markt an Bedeutung.

Auch im Bereich der bildgebenden Diagnostik gab es Fortschritte. Der Umsatz mit Beyonttra, das in Europa erfolgreich zur Behandlung einer Herzmuskelerkrankung eingeführt wurde, verfünffachte sich. Dahinter stand ein deutlicher Anstieg der verkauften Menge. Gleichzeitig belastete der Ablauf des Patentschutzes weiterhin einige ältere Produkte. Der Umsatz mit dem oral einzunehmenden Gerinnungshemmer Xarelto sank um 30,7 %, der mit Eylea um 23,5 %. Bayer rechnet damit, dass sich der Rückgang bei Eylea allmählich abschwächt.

Innerhalb des Eylea-Portfolios entfielen rund 60 % des Umsatzes auf die 8-mg-Version. Sie ermöglicht längere Abstände zwischen den Behandlungen. Das zeigt, wie eine veränderte Anwendung eines bestehenden Medikaments helfen kann, Umsatzverluste durch Konkurrenz nach dem Patentablauf abzufedern. Den allgemeinen Rückgang beim Produkt konnte sie allerdings nicht aufhalten.

Mehr operativer Gewinn, aber weiterhin Gegenwind

Der operative Gewinn der Pharmasparte vor Sondereffekten stieg um 23,6 % auf 1,292 Milliarden Euro. Ausschlaggebend war vor allem das Umsatzwachstum, insbesondere bei Nubeqa und Kerendia. Zugleich nahmen die Ausgaben für Marketing und Vertrieb zu, weil Bayer weiter in den Ausbau des Geschäfts investierte. Auch die Wechselkurse wirkten sich positiv aus und steuerten 30 Millionen Euro bei. Die bereinigte Gewinnmarge verbesserte sich dadurch um 3,5 Prozentpunkte auf 27,6 %.

Aufgrund dieser Entwicklung hob Bayer seine Prognose für die bereinigte operative Marge der Pharmasparte im Jahr 2026 an: Erwartet werden nun 25 % bis 27 %, zuvor lag die Spanne bei 23 % bis 25 %. Die Anpassung deutet darauf hin, dass die Unternehmensführung den Schwung der jüngeren Produkte nicht für einen kurzfristigen Ausreißer hält. Wie sich die Ergebnisse weiterentwickeln, hängt jedoch davon ab, ob diese Medikamente weiter wachsen, welche Ausgaben nötig sind, um sie zu unterstützen, und wie Bayer den Umsatzrückgang bei Produkten ohne Patentschutz ausgleichen kann.

Der Konzern im Überblick: mehr Umsatz, aber ein Nettoverlust

Bayer erzielte im dritten Quartal einen Umsatz von 10,053 Milliarden Euro. Nominal war das ein Plus von 4,1 %; bereinigt um Wechselkurse und Veränderungen im Portfolio betrug das Wachstum jedoch nur 1,9 %. Währungseffekte trugen 246 Millionen Euro zum Umsatz bei. Das bereinigte EBITDA, also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, stieg um 6,9 % auf 1,615 Milliarden Euro. Darin enthalten war ein positiver Währungseffekt von 36 Millionen Euro.

Trotz der besseren bereinigten operativen Kennzahlen verbuchte der Konzern einen operativen Verlust von 110 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte der Verlust bei 543 Millionen Euro gelegen. Belastend wirkte unter anderem eine Wertminderung auf die Marke Xofigo in Höhe von 307 Millionen Euro in der Pharmasparte. Im operativen Ergebnis waren außerdem netto 407 Millionen Euro an Sondereffekten enthalten, nach 1,064 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Dazu zählten eine Wertminderung der Marke Claritin in der Sparte Consumer Health um 215 Millionen Euro sowie Aufwendungen im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten.

Unter dem Strich stand ein Konzernverlust von 672 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Bayer noch einen Verlust von 963 Millionen Euro ausgewiesen. Der bereinigte Gewinn je Aktie ging dagegen von 0,49 Euro auf 0,31 Euro zurück. Nach Angaben des Unternehmens reichte die Verbesserung im operativen Geschäft nicht aus, um nicht zahlungswirksame Folgen von Veränderungen bei den Zinssätzen auszugleichen. Umsatz und bereinigte Gewinne allein erzählen daher nicht die ganze Geschichte: Bilanzielle Bewertungen, Finanzierungskosten und Sondereffekte beeinflussen weiterhin das ausgewiesene Ergebnis.

Rechtsstreitigkeiten belasten den Cashflow, die Schulden sinken

Der freie Cashflow war mit 293 Millionen Euro im Minus. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte Bayer noch einen Überschuss von 596 Millionen Euro erzielt. Als einen Grund nannte das Unternehmen höhere erwartete Zahlungen zur Beilegung von Rechtsstreitigkeiten. Das erklärt einen Teil der Lücke zwischen dem verbesserten bereinigten operativen Ergebnis und dem tatsächlich verfügbaren Geld: Gerichtliche Verpflichtungen können die Liquidität belasten, selbst wenn sich das Geschäft im Kern verbessert.

Gleichzeitig sank die Nettofinanzverschuldung zum 30. September 2026 auf 31,083 Milliarden Euro. Das waren 2,564 Milliarden Euro weniger als am 30. Juni und 1,625 Milliarden Euro weniger als zum entsprechenden Zeitpunkt ein Jahr zuvor. Den größten Beitrag zum Rückgang leistete eine Zahlung von 3,0 Milliarden Euro durch Apollo Global Management. Sie erfolgte im Zusammenhang mit dem zuvor angekündigten Verkauf einer Minderheitsbeteiligung an einem neu gegründeten Unternehmen. Wichtig ist, die geringere Verschuldung nicht mit einem besseren operativen Cashflow im Quartal gleichzusetzen: Die Zahlung aus dem Geschäft trug zur Entlastung der Bilanz bei, während der freie Cashflow negativ blieb.

Vor diesem Hintergrund verbesserte Bayer seine Prognose für den freien Cashflow im Gesamtjahr um eine Milliarde Euro. Erwartet wird nun ein Wert zwischen minus 1,5 Milliarden Euro und minus 0,5 Milliarden Euro, zuvor lag die Spanne zwischen minus 2,5 Milliarden Euro und minus 1,5 Milliarden Euro. Auch die Prognose für die Nettoverschuldung zum Jahresende wurde gesenkt: auf 28,0–29,0 Milliarden Euro statt zuvor 29,0–30,0 Milliarden Euro. Die Änderungen zeigen eine bessere Erwartung für den weiteren Jahresverlauf. Sie bedeuten aber nicht, dass Bayer 2026 mit einem positiven freien Cashflow rechnet: Die gesamte prognostizierte Spanne bleibt negativ.

Landwirtschaft und Konsumgüter halten mit der Pharma nicht Schritt

Die Sparte Crop Science erzielte einen Umsatz von 3,884 Milliarden Euro. Nominal war das ein leichtes Plus von 0,7 %; bereinigt um Wechselkurse und Portfolioveränderungen sank der Umsatz jedoch um 2,4 %. Besonders belasteten negative regulatorische Entwicklungen und ungünstige Wetterbedingungen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika sowie in Asien und im pazifischen Raum. Lateinamerika entwickelte sich dagegen stark. Dort sorgte eine höhere Nachfrage nach Mais- und Sojasaatgut für die Sommersaison für Rückenwind.

Der Umsatz mit Maissaatgut und den dazugehörigen Pflanzeneigenschaften lag mit einem bereinigten Rückgang von 0,1 % ungefähr auf Vorjahresniveau. Bei Sojasaatgut und den zugehörigen Eigenschaften stieg der Umsatz um 4,5 %. Fungizide und glyphosatfreie Herbizide verzeichneten dagegen jeweils ein Minus von 8,6 %. Der bereinigte operative Gewinn der Agrarsparte sank im Quartal um 41,3 % auf 101 Millionen Euro. Das dritte Quartal ist für dieses Geschäft saisonbedingt weniger bedeutsam. Hauptgrund für den Rückgang waren höhere Herstellungs- und Vertriebskosten; zudem war der Vergleich durch günstige Faktoren im Vorjahreszeitraum beeinflusst. Die Währungseffekte fielen mit 9 Millionen Euro positiv aus. Die bereinigte Marge schrumpfte dennoch um 1,9 Prozentpunkte auf 2,6 %.

Mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten setzte Bayer 1,445 Milliarden Euro um. Das entsprach einem nominalen Plus von 2,1 %, bereinigt lag das Wachstum allerdings nur bei 0,1 %. Produkte für den Magen-Darm-Bereich legten um 4,5 % zu. Dazu trug insbesondere das kräftige Wachstum von MiraLAX in den USA bei. Hautpflegeprodukte wuchsen um 3,0 %, vor allem dank Bepanthen. Nahrungsergänzungsmittel gingen um 3,4 % zurück, Produkte gegen Allergien und Erkältungen um 2,9 %. In Asien und im pazifischen Raum sowie in Lateinamerika wuchs das Geschäft. In Europa, dem Nahen Osten und Afrika sank der Umsatz nach einem starken Vorquartal; auch der US-Markt blieb schwach.

Der bereinigte operative Gewinn der Consumer-Health-Sparte fiel um 4,4 % auf 347 Millionen Euro, die Marge verringerte sich um 1,7 Prozentpunkte auf 24,0 %. Einsparungen und Preisanpassungen reichten nicht aus, um die höheren Investitionen in die Vermarktung neuer Produkte auszugleichen. Unterstützend wirkten Einnahmen aus dem Verkauf einer kleineren, nicht zum Kerngeschäft gehörenden Marke sowie ein positiver Währungseffekt von 7 Millionen Euro. Der Vergleich macht deutlich: Die Erholung in der Pharmasparte schlägt nicht automatisch auf die übrigen Geschäfte von Bayer durch.

Medizinische Innovation und Rechtsfragen im Hintergrund

Zusätzlich zu den Geschäftszahlen meldete Bayer, dass Asundexian in China in der Vorwoche die Zulassung zur Vorbeugung weiterer Schlaganfälle erhalten hat. Das Medikament wird dort unter dem Markennamen Sunharbo angeboten. Nach Angaben des Unternehmens ist es der erste Hemmstoff von Faktor XIa, der weltweit eine Zulassung erhalten hat. Als nächsten Schritt will Bayer weitere Zulassungen anstreben. Die Unternehmensführung führte die beschleunigte Entwicklung auf die mehr als zehnjährige Arbeit der wissenschaftlichen Teams in Wuppertal, regulatorische Veränderungen und den Einsatz von Werkzeugen der künstlichen Intelligenz zurück. Diese Faktoren hätten dazu beigetragen, das Medikament ein Jahr früher als erwartet zu den Patientinnen und Patienten zu bringen.

Die Rechtsstreitigkeiten in den USA spielen weiterhin eine direkte Rolle für die Liquiditätsplanung und die Prognosen. In der Vorwoche erging das erste Urteil in einem Glyphosat-Verfahren seit dem Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA, der mit 7 zu 2 Stimmen zugunsten des Unternehmens entschieden hatte. Die Unternehmensführung wertete das einstimmige Votum der zwölf Geschworenen zugunsten Bayers im neuen Verfahren als möglichen Einflussfaktor für die Überlegungen potenzieller Kläger. Zugleich betonte sie, bei den kommenden Verfahren jeweils im Interesse des Unternehmens handeln zu wollen. Außerdem wartet Bayer auf eine wichtige Entscheidung zu einer Vereinbarung über eine Sammelklage. Die Entwicklungen beenden die laufenden Rechtskosten nicht, erklären aber, warum Vergleiche und gerichtliche Zahlungen ein wichtiger Bestandteil der Cashflow-Prognose bleiben.

Höhere Prognosen, aber weiterhin Grund zur Vorsicht

Bayer hob seine Prognose für das bereinigte EBITDA des Konzerns an. Auf Basis konstanter Wechselkurse erwartet das Unternehmen nun 9,8–10,3 Milliarden Euro statt der zuvor veranschlagten 9,6–10,1 Milliarden Euro. Gleichzeitig verbesserte Bayer seine Schätzungen für den freien Cashflow und die Nettoverschuldung. Die übrigen Jahresprognosen ließ das Unternehmen gegenüber dem Halbjahresfinanzbericht unverändert. Die angehobenen Erwartungen beruhen damit maßgeblich auf der Entwicklung der Pharmasparte und nicht auf einer gleichmäßigen Erholung aller Geschäftsbereiche.

Nach Angaben des Finanzvorstands gehören eine stärkere Bilanz, höhere Produktivität, eine bessere Umwandlung von Geschäftsergebnissen in liquide Mittel und mehr finanzielle Flexibilität zu den wichtigsten Zielen. So soll Bayer genügend Spielraum haben, um in künftiges Wachstum zu investieren. Dafür müssen Nubeqa, Kerendia und weitere Medikamente weiter zulegen, während der Konzern Marketing- und Herstellungskosten im Griff behält, den Verlust von Patentschutz auffängt und seine rechtlichen Verpflichtungen bewältigt. Dass der freie Cashflow trotz der verbesserten Prognose voraussichtlich negativ bleibt, zeigt: Die finanzielle Erholung ist noch nicht abgeschlossen.

Fazit

Bayers Zahlen für das dritte Quartal 2026 zeichnen ein gemischtes, aber insgesamt freundlicheres Bild. Die Pharmasparte wuchs kräftig, und der Konzern hob seine Erwartungen für deren Marge und das bereinigte EBITDA an. Auch die Prognosen für Nettoverschuldung und freien Cashflow wurden verbessert. Dennoch schrieb Bayer weiterhin rote Zahlen, der freie Cashflow blieb negativ, und Landwirtschaft sowie rezeptfreie Gesundheitsprodukte standen unter unterschiedlichem Druck. Hinzu kommen die Kosten der Rechtsstreitigkeiten. Für das Gesamtjahr setzt Bayer darauf, dass seine jüngeren Medikamente weiter wachsen und dieses Wachstum nach und nach zu mehr verfügbarem Geld und einer stabileren Bilanz führt.