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Die politische Landkarte der USA ist auch eine Landkarte des Sterbens

Einfach erklärt

In den USA sterben in den Bundesstaaten, die für Trump gestimmt haben, mehr Menschen als in den Staaten, die Harris gewählt haben. Das gilt nicht nur für die Corona-Zeit, sondern auch für Herzkrankheiten und Krebs. Bei Todesfällen durch Drogenüberdosierungen sieht es anders aus. Die Zahlen zeigen Unterschiede zwischen Regionen, aber nicht, dass eine einzelne Wahlentscheidung über die Gesundheit eines Menschen bestimmt.

Eine Lücke, die sich über Jahre vergrößert hat

Die Unterschiede sind nicht plötzlich aufgetaucht und lassen sich nicht auf eine einzelne Wahl zurückführen. Vielmehr ist eine Entwicklung zu erkennen, die sich über Jahre hinweg verstärkt hat. 2001 lag die altersbereinigte Sterberate in den Landkreisen, in denen der republikanische Kandidat den größten Stimmenanteil erhielt, nur etwa 2 % über der Rate in den Landkreisen mit einer Mehrheit für den demokratischen Kandidaten. Bis 2019 war der relative Abstand auf 16,1 % angewachsen.

Dass die Kluft größer wurde, lag nicht allein daran, dass die Sterblichkeit in einer Gruppe zunahm. Zudem ging sie in den Landkreisen mit republikanischer Mehrheit langsamer zurück. Zwischen 2001 und 2019 sank die Rate dort um 11,1 %, während sie in den Landkreisen, in denen überwiegend demokratisch gewählt wurde, um 21,9 % zurückging. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass die Fortschritte bei der Lebenserwartung verschiedene Regionen nicht gleich schnell erreichten.

In einer neueren Auswertung verglich das Forschungsteam die Sterberaten je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Dabei wurden die Werte so angepasst, dass sich Unterschiede in der Altersstruktur der Bevölkerung nicht unmittelbar auf den Vergleich auswirken. Gegenübergestellt wurden Bundesstaaten, in denen die Mehrheit 2024 für Trump gestimmt hatte, und solche mit einer Mehrheit für Kamala Harris. Die Untersuchung umfasste die Jahre 2016 bis 2024. Diese Einteilung beschreibt das Wahlergebnis eines Bundesstaats. Sie bedeutet weder, dass alle Menschen dort politisch gleich denken, noch, dass die Parteipräferenz einer einzelnen Person ihr gesundheitliches Schicksal bestimmt.

Auch nach dem Höhepunkt der Pandemie blieb die Sterberate höher

Als Trump 2016 zum ersten Mal die Präsidentschaftswahl gewann, lag die Sterberate aus allen Ursachen in den Bundesstaaten, die 2024 für ihn stimmten, bei 776 Todesfällen je 100.000 Einwohner. In den späteren Harris-Staaten waren es 664. Damit war die Rate in der ersten Gruppe um 17 % höher.

Auch 2024 blieb der Abstand groß: In den Trump-Staaten kamen 774 Todesfälle auf 100.000 Einwohner, in den Harris-Staaten waren es 649. Die Rate der ersten Gruppe lag damit um 19,2 % höher als die der zweiten. Auffällig ist, dass der Wert für die Trump-Staaten 2024 ungefähr auf dem Niveau von 2016 lag, während er in der Harris-Gruppe zurückging. So vergrößerte sich der Abstand, obwohl die Gesamtzahl in der ersten Gruppe nicht ähnlich stark anstieg.

Am größten war die Kluft 2021. Ein wesentlicher Grund dafür war, dass sich die Zahl der Todesfälle durch Covid-19 in den beiden Gruppen unterschiedlich entwickelte. In den Staaten, die sich später mehrheitlich für Harris entschieden, erreichten die Todesfälle durch die Krankheit 2020 mit 86 je 100.000 ihren Höchststand. In den Staaten mit einer späteren Mehrheit für Trump stiegen sie dagegen bis 2021 weiter und erreichten 122 je 100.000. Die Pandemie verschärfte die Unterschiede also, erklärt aber nicht, warum sie auch nach dem Abklingen der schlimmsten Phase bestehen blieben.

Chronische Krankheiten zeigen, dass die Unterschiede anhalten

Ein Blick auf Herzkrankheiten und Krebs hilft zu klären, ob der allgemeine Unterschied vor allem eine Nachwirkung von Covid-19 ist. Die Zahlen zeigen: Die Kluft besteht auch bei wichtigen Krankheiten, die nicht auf die Pandemie beschränkt sind. Zwischen 2016 und 2024 ging die Sterblichkeit durch Herzkrankheiten in den Harris-Staaten um 9,1 % zurück. In den Trump-Staaten betrug der Rückgang dagegen nur 2,9 %.

Bei den Krebstodesfällen zeigte sich ein ähnliches Muster, wenn auch mit anderen Werten: In der ersten Gruppe sank die Sterblichkeit um 12,9 %, in der zweiten um 9,1 %. Daraus folgt nicht, dass die Menschen in einem bestimmten Bundesstaat zwangsläufig ein bestimmtes gesundheitliches Schicksal haben. Die Zahlen machen jedoch deutlich, dass die Sterblichkeit in den beiden Gruppen nicht gleich stark zurückging. Dass der Abstand auch bei chronischen Erkrankungen sichtbar ist, spricht dafür, Prävention, Behandlung und Lebensbedingungen in den Blick zu nehmen, statt die Unterschiede allein mit den Pandemiejahren zu erklären.

Viele Faktoren beeinflussen, ob Herzkrankheiten und Krebs verhindert, früh erkannt und behandelt werden können. Dazu gehören ein verlässlicher Zugang zur medizinischen Versorgung, die Möglichkeit, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen, und die Frage, ob eine Behandlung bezahlbar ist. Auch soziale Bedingungen wie Bildung und Einkommen, der Zugang zu gesundem Essen und eine verfügbare Internetverbindung können eine Rolle spielen. Die veröffentlichte Auswertung zeigt allerdings Unterschiede zwischen den Gruppen, ohne den Anteil einzelner Faktoren daran zu bestimmen. Sie ist deshalb eher eine Übersicht über das Problem als ein Beweis für eine einzelne Ursache.

Drogen: ein anderer Verlauf auf der Landkarte

Todesfälle durch Überdosierungen folgen nicht demselben Muster wie die Gesamtsterblichkeit oder die Todesfälle durch Herzkrankheiten und Krebs. 2016 war die Rate in den Bundesstaaten, die später für Trump stimmten, um 18 % höher als in den Harris-Staaten. Das entsprach einem Unterschied von 3,4 Todesfällen je 100.000 Einwohner. In den folgenden Jahren änderte sich, in welcher Gruppe die höhere Rate zu beobachten war.

In den Trump-Staaten erreichte die Sterblichkeit durch Überdosierungen 2021 mit 35 Todesfällen je 100.000 ihren Höchststand. In den Harris-Staaten kam der Höhepunkt ein Jahr später, 2022, und lag bei 32,5 je 100.000. Ab 2023 war die geschätzte Rate in der Trump-Gruppe niedriger als in der Harris-Gruppe. 2024 war der Unterschied sehr klein: In den Harris-Staaten lag die Rate um etwa 2 % beziehungsweise 0,4 Todesfälle je 100.000 höher.

Diese Verschiebung erinnert daran, dass die Drogenkrise nicht auf eine bestimmte Region oder eine bestimmte Art von Gemeinschaft begrenzt bleibt. Sie hat sich ausgebreitet und hält in Küsten- und Großstadtregionen ebenso an wie in ländlichen und industriell geprägten Gegenden, mit denen sie in früheren Phasen besonders in Verbindung gebracht wurde. Unterschiedliche politische Debatten über die Verringerung der Schäden durch Drogenkonsum und über die Durchsetzung von Gesetzen prägen die politischen Handlungsmöglichkeiten. Aus den Zahlen allein lässt sich jedoch nicht ableiten, welche konkrete Maßnahme für die veränderten Raten verantwortlich ist.

Versicherungsschutz und die Bedingungen vor Ort

Ein möglicher Ansatzpunkt für weitere Untersuchungen sind Unterschiede in der Politik, die den Zugang zu Versicherungen und Behandlungen beeinflussen. Die Ausweitung des Medicaid-Programms im Rahmen des Affordable Care Act wurde mit sinkender Sterblichkeit in Verbindung gebracht. Dennoch hatten 10 Bundesstaaten die Ausweitung nicht eingeführt; alle 10 stimmten bei der Wahl 2024 für Trump. Dieser Zusammenhang beweist nicht, dass der fehlende Ausbau allein den Unterschied bei den Todesfällen erklärt. Er macht den Versicherungsschutz aber zu einem wichtigen Teil der Suche nach veränderbaren Ursachen.

Auch beim Verlust des Versicherungsschutzes während der erneuten Überprüfung der Medicaid-Berechtigung gab es größere Einbußen in Staaten, die das Programm nicht ausgeweitet hatten. Arbeitsauflagen oder Verfahren zur Verlängerung der Berechtigung können dazu führen, dass Menschen ihre Versicherung verlieren und die Versorgung unterbrochen wird, obwohl sie regelmäßig medizinische Hilfe benötigen. Besonders wichtig ist das bei chronischen Erkrankungen: Verzögerungen bei Kontrollterminen oder Behandlungen können sich über längere Zeit auswirken.

Auf dem Land kommen weitere Schwierigkeiten hinzu. Medizinische Versorgung ist oft schwerer erreichbar, und Krankenhäuser schließen dort überproportional häufig. Das kann längere Wege zur Versorgung bedeuten oder weniger Möglichkeiten, wenn eine dringende Behandlung oder fachärztliche Betreuung nötig ist. Allerdings sind ländliche Regionen nicht alle gleich, und auch die Bundesstaaten setzen sich nicht aus einheitlichen Gemeinschaften zusammen. Es wäre deshalb falsch, sie auf eine politische Farbe zu reduzieren oder anzunehmen, dass überall dieselben Hindernisse bestehen.

Vertrauen und Bildung prägen die Gesundheitslage mit

Gesundheit hängt auch davon ab, was Menschen lernen und welche Möglichkeiten ihnen im Alltag offenstehen. Bildung steht mit Faktoren in Verbindung, die Gesundheitsrisiken beeinflussen können: etwa Rauchen, Übergewicht und Herzrisiken sowie die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen. Auch wirtschaftliche Chancen, der Zugang zu gesundem Essen und zum Internet sowie Informationen aus Medien und Popkultur können das Gesundheitsverhalten langfristig prägen.

Die Unterschiede während der Covid-19-Pandemie werfen eine weitere Frage auf: Nimmt das Vertrauen in Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens und in die medizinische Versorgung je nach politischer Polarisierung unterschiedlich stark ab? Die unterschiedlichen Impfraten in Bundesstaaten, die eher für Trump oder eher für Harris stimmten, sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich das vorbeugende Verhalten zunehmend unterscheidet. Um die Gründe dafür zu verstehen, muss man jedoch untersuchen, woher Vertrauen und Informationen kommen und welche Erfahrungen Menschen mit Institutionen machen. Es reicht nicht, einer politischen Gruppe die Schuld zu geben.

Entscheidend ist, einen Zusammenhang nicht mit einer Ursache gleichzusetzen. Bundesstaaten mit ähnlichem Wahlverhalten können sich auch in anderen Punkten ähneln, etwa in der Bevölkerungsstruktur, der Verfügbarkeit von Gesundheitsangeboten oder der wirtschaftlichen Lage. Der Vergleich besagt daher nicht, dass die Wahlentscheidung Todesfälle verursacht. Er beweist auch nicht, dass eine einzelne politische Maßnahme die Unterschiede erklärt. Vielmehr macht er ein Muster sichtbar, das genauer untersucht werden sollte: mit Analysen, die einzelne Gemeinschaften, Todesursachen und die jeweils vorhandenen Ressourcen differenziert betrachten.

Fazit

Die Daten aus den Jahren 2016 bis 2024 zeigen, dass die Sterberate aus allen Ursachen in den Bundesstaaten, die für Trump stimmten, höher blieb als in den Harris-Staaten. Der Abstand wuchs von 17 % im Jahr 2016 auf 19,2 % im Jahr 2024 und war 2021 wegen der unterschiedlichen Sterblichkeit durch Covid-19 noch größer. Auch die Todesfälle durch Herzkrankheiten und Krebs gingen in der Harris-Gruppe schneller zurück. Bei den Überdosierungen näherten sich die Raten dagegen an; 2024 lag die Sterblichkeit in dieser Gruppe knapp höher.

Die Auswertung stammt von Brandon Yan, Arzt und Gesundheitsforscher am Philip R. Lee Institute for Health Policy Studies der University of California, San Francisco, Maddy Feldmeier, Medizinstudentin an der dortigen medizinischen Fakultät, sowie Renee Y. Hsia, Professorin und stellvertretende Leiterin der Forschung zu Gesundheitsdiensten in der Notfallmedizin an derselben Universität. Die Ergebnisse sollten als Hinweis auf Ungleichheiten verstanden werden, die sich möglicherweise verringern lassen, nicht als unveränderliches Urteil über rote oder blaue Bundesstaaten. Ein besserer Zugang zu bezahlbarer Versorgung, stärkere Angebote im ländlichen Raum und im Bereich der psychischen Gesundheit, geringere Bildungsunterschiede und mehr Vertrauen in das öffentliche Gesundheitswesen könnten dazu beitragen, vermeidbare Todesfälle zu senken – unabhängig davon, wie eine Region wählt.