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Fünf Tage unter Wasser: Wie ein Meereslabor Menschen auf das Leben im All vorbereitet

Einfach erklärt

Vier Menschen lebten fünf Tage lang in einer kleinen Station unter dem Meer und kamen in dieser Zeit nicht an die Oberfläche. Sie arbeiteten, forschten und mussten sich auf Technik verlassen, die sie mit Luft, Wasser und Strom versorgte. Das Experiment zeigt, wie das Leben an einem abgeschiedenen Ort dabei helfen kann, sich auf lange Reisen weit weg von der Erde vorzubereiten.

Eine Station im Meer wird zur Welt für sich

In der Jules‘ Undersea Lodge nahe Key Largo in Florida verlief das Leben überraschend ruhig. So beschrieben die Mitglieder der SEA-STAR-Crew ihre Tage in dem Unterwasserlabor. Gleichzeitig war die besondere Lage stets präsent: Vier Menschen lebten auf engem Raum in rund 22 Fuß Tiefe, also etwa 7 Meter tief. Von draußen drangen nur die Geräusche der Lebenserhaltungssysteme zu ihnen. Es war keine Weltraummission, doch das Experiment ermöglichte es der Crew, Aspekte des abgeschiedenen Lebens und des Arbeitsalltags unter schwierigen Bedingungen zu erproben – Erfahrungen, die für die Planung langer bemannter Missionen außerhalb der Erde nützlich sein können.

Die Unterwasserstation vor Key Largo in Florida trug bei ihrer Gründung in den 1970er-Jahren den Namen „La Chalupa“. Sie war dafür gedacht, dass Taucher unter Wasser wohnen und arbeiten konnten – nicht bloß dafür, kurze Zeit in die Tiefe abzutauchen. Menschen, die länger als 24 Stunden unter Wasser bleiben, werden Aquanauten genannt. Der Begriff verweist auf ihren längeren Aufenthalt in einer Meeresumgebung, in der sie dem Umgebungsdruck ausgesetzt sind.

Ursprünglich war die Station nicht für einen festen Standort vorgesehen. Sie wurde in einem 20 Fuß breiten und 60 Fuß langen Lastkahn gebaut. Das entspricht ungefähr 6 Metern Breite und 18 Metern Länge. Für eine Expedition ließ sich ein geeigneter Ort auswählen und die Anlage dorthin bringen. Damit aus dem schwimmenden Kahn ein Unterwasserhabitat wurde, füllte man den größten Teil des Innenraums mit Wasser. Nach Abschluss eines Einsatzes wurde das Wasser wieder abgepumpt, sodass die Anlage erneut transportiert werden konnte.

Mit der Zeit wurde der Betrieb nicht mehr finanziert, und die Anlage kam schließlich an ihren heutigen Standort. Seither dient sie als Forschungsstation und war Schauplatz Dutzender Missionen mit Aquanauten. Dazu gehörte ein 30-tägiges NASA-Projekt sowie zwei Einsätze, bei denen Rekorde für den längsten Aufenthalt unter Wasser aufgestellt wurden: eine Crew blieb 73 Tage, die andere 100 Tage. Diese früheren Missionen zeigen, dass die Station mehr ist als ein Ort für kurze Experimente: Hier wurde das Leben und Arbeiten in der Abgeschiedenheit des Meeres für unterschiedlich lange Zeiträume erprobt.

Der Einstieg durch den „Mondpool“

Die Türen der Station führen nicht wie gewöhnliche Türen in einen trockenen Flur. Ein- und Ausstieg erfolgen durch eine Öffnung, die „Mondpool“ genannt wird. Sie bildet den Übergang zwischen Wasser und Habitat. Zu Beginn der SEA-STAR-Mission verabschiedete sich die Crew vom Kontrollteam, das die Erde vertrat, und tauchte dann durch diese Öffnung zur Station hinunter. Laut Missionsbeschreibung erfolgte der Einstieg in 25 Fuß Tiefe, also etwa 7,6 Metern. Der Ort, an dem die Crew wohnte, wird dagegen mit einer Tiefe von ungefähr 22 Fuß beziehungsweise 7 Metern angegeben.

Nach dem Einzug kehrten die Crewmitglieder erst am Ende der fünf Tage an die Oberfläche zurück. In der Zwischenzeit lebten und arbeiteten sie in der Station und führten ihre weltraumbezogenen Forschungsarbeiten durch. Außerdem unternahmen sie, wie sie es selbst nannten, simulierte „Weltraumspaziergänge“: Erkundungstauchgänge mit Tauchausrüstung. Der Unterschied liegt auf der Hand: Diese Aktivitäten fanden im Wasser und auf der Erde statt, nicht im Vakuum des Weltraums. Trotzdem musste sich das Team im Alltag mit einem begrenzten, abgeschlossenen Lebensraum arrangieren – Bedingungen, die an einige Anforderungen einer Weltraummission erinnern.

Das Habitat umfasst einen Bereich zum Kochen, Essen und Arbeiten. Daneben gibt es eine einfache Toilette und eine Dusche sowie einen Schlafraum mit zwei Etagenbetten. Der Schlafbereich lässt sich in zwei Räume unterteilen, um etwas mehr Privatsphäre zu schaffen. Drei Fenster der Station geben den Blick auf eine Unterwasserwelt frei, die vor allem von Grün geprägt ist. Solche kleinen häuslichen Details gewinnen an Bedeutung, wenn der gesamte Lebensraum für eine gewisse Zeit auf die Crew beschränkt ist. Es geht dann nicht nur darum, Experimente durchzuführen: Schlafen, Essen, Körperpflege und Arbeit finden alle auf engem Raum statt.

Lebenserhaltung und Kontakt nach draußen

Die Crew konnte sich nicht allein auf die Wände der Station verlassen, um unter Wasser leben zu können. Das Habitat benötigte Lebenserhaltungssysteme und eine Versorgung über Kabel und Leitungen. Diese stellten Luft, Süßwasser und Strom bereit und ermöglichten außerdem die Kommunikation. NASA hatte diese Anschlüsse und Teile der Versorgung ursprünglich zur Verfügung gestellt. Rohre und Verbindungen verliefen im Inneren des versenkten Lastkahns. Dadurch waren sie vor dem Übergangsbereich zwischen Luft und Meerwasser sowie vor Meerestieren geschützt, die sich an Oberflächen festsetzen und sie überwuchern können.

Neben den Versorgungsleitungen stand der Crew eine direkte Verbindung zum Missionskontrollteam auf der „Erde“ zur Verfügung, die im Notfall genutzt werden konnte. Das macht deutlich: Eine Simulation von Abgeschiedenheit bedeutet nicht, dass jede Verbindung zur Außenwelt gekappt ist. Eine Kommunikationsmöglichkeit und Unterstützung von außen gehören zum sicheren Betrieb des Habitats. Die Crew kann zwar mehrere Tage fern der Oberfläche verbringen, doch das Leben in der Station hängt von externer Technik, Überwachung und der Möglichkeit ab, bei Bedarf Hilfe anzufordern.

Das Meereslabor unterscheidet sich damit von der Vorstellung völliger Isolation, die man vielleicht zunächst hat. Die vier Personen waren von ihrem gewohnten Leben an Land abgeschnitten, aber nicht ohne technische Unterstützung. Luft, Wasser, Strom und Kontakt nach außen waren keine Nebensächlichkeiten, sondern machten den Aufenthalt überhaupt erst möglich. Zugleich bedeutete die Abhängigkeit von einem mit dem Habitat verbundenen System, dass Kontrollen, Wartungsarbeiten und der Umgang mit unerwarteten Problemen zum Alltag der Crew gehörten. Diese Aufgaben ließen sich nicht einfach auf die Zeit nach dem Einsatz verschieben.

Ein voller Zeitplan auf engem Raum

Die SEA-STAR-Crew bestand aus vier Personen. Jedes Mitglied betreute ein eigenes Forschungsprojekt und beteiligte sich zusätzlich an den gemeinsamen Alltagsaufgaben. Dazu gehörten das Zubereiten von Mahlzeiten, medizinische Untersuchungen, Tests der geistigen Leistungsfähigkeit, die Wartung der Station und der Umgang mit unerwarteten Situationen. Missionsleiterin Michaela Musilova, Astrobiologin und Entdeckerin, behielt im Blick, wie die Crewmitglieder vorankamen, und half dabei, auftretende Probleme zu lösen.

Der geregelte Tagesablauf war bewusst so angelegt. Die Mission sollte einen Teil des Lebens von Besatzungen der Internationalen Raumstation nachbilden, wo wissenschaftliche Experimente neben körperlicher Fitness, der Pflege der Ausrüstung und alltäglichen Aufgaben stehen. Das Experiment bildet das Leben im Orbit nicht eins zu eins ab. Es ermöglicht aber zu untersuchen, wie eine kleine Gruppe Arbeit, Erholung und Pflichten an einem begrenzten Ort miteinander vereinbart, wenn der Tagesplan weiterläuft und sich die Umgebung nicht einfach verlassen lässt.

Zu den weiteren Aufgaben zählten die Erkundungstauchgänge, die als „Weltraumspaziergänge“ dienten. Diese Ausflüge waren körperlich anstrengend, weshalb die Crew keine zusätzlichen Sporteinheiten in den Zeitplan aufnahm. Musilova, die 40 simulierte Weltraummissionen geleitet hat, berichtet, dass bei den Missionen, an denen sie beteiligt war, üblicherweise ein bis zwei Stunden Bewegung pro Tag vorgesehen waren – ähnlich wie bei den Besatzungen der Internationalen Raumstation. In der Jules‘ Undersea Lodge herrschten jedoch andere Bedingungen: Der Druck dort betrug ungefähr das Doppelte des Drucks auf Meereshöhe. Das belastete die Körper der Crew zusätzlich, sodass sie bei diesem Einsatz auf weiteres Training verzichtete.

Der Vergleich zeigt, wie wichtig die konkreten Umweltbedingungen sind – nicht nur der äußere Eindruck eines Experiments. Unter Wasser zu arbeiten und im Weltraum zu leben, mag zunächst völlig unterschiedlich erscheinen. In beiden Fällen kann der Alltag jedoch durch einen festen Zeitplan, regelmäßig zu kontrollierende Ausrüstung und Aufgaben geprägt sein, die ständige Zusammenarbeit erfordern. Daraus folgt aber nicht, dass Druck, Bewegung oder Risiken gleich wären. Das Experiment im Meer hatte seine eigenen Bedingungen, darunter den erhöhten Druck, der das Team dazu veranlasste, einen Teil seines Trainingsplans anzupassen.

Kleine Dinge, die die Stimmung heben

Obwohl die Tage mit Aufgaben gefüllt waren, fühlte sich die Crew nach Musilovas Beschreibung keinem außergewöhnlichen psychischen Druck ausgesetzt. Sie wollte sich nicht auf eine eindeutige Erklärung festlegen. Vielleicht habe die gute Planung eine Rolle gespielt; möglicherweise hätten auch die besonderen Bedingungen des Aufenthalts dazu beigetragen. Entscheidend war, dass die Crew im gemeinsamen Alltag und in der Arbeit einen Rhythmus fand, der ihr half, durchzuhalten. Das Leben unter Wasser machte ihr mehr Spaß, als jemand erwarten könnte, der die Station nur von außen betrachtet.

Auch das Essen hielt einige erfreuliche Überraschungen bereit. Die Crew durfte einen kleinen Kochtopf benutzen und konnte damit Suppen, Eintöpfe und Haferbrei zubereiten, der über Nacht quoll. Diese Gerichte sind kein wissenschaftliches Detail, zeigen aber, was es praktisch bedeutet, an einem Ort zu leben, an dem es weder eine große Küche noch die Möglichkeit gibt, schnell hinauszugehen und etwas zu kaufen. Eine vertraute oder warme Mahlzeit kann dem Tag einen häuslichen Rhythmus geben und den ungewöhnlichen Aufenthalt in einem von Wasser umgebenen Habitat etwas vertrauter machen.

Das Experiment erinnert daran, dass die Vorbereitung auf eine weit entfernte Mission nicht nur Ausrüstung und Messungen umfasst. Auch die Bedingungen, unter denen Menschen miteinander auskommen und arbeiten können, spielen eine Rolle. Wenig Privatsphäre, geteilte Verantwortung, ein gut organisierter Tagesablauf und kleine angenehme Momente gehörten allesamt zum Alltag der Crew. Fünf Tage in Abgeschiedenheit zeigen zwar nicht, wie sich Menschen auf einer langen Reise zum Mars verhalten würden. Sie ermöglichen aber einen realitätsnahen Einblick darin, wie eine kleine Gruppe mit einem geschlossenen Lebensraum und einer ungewohnten Umgebung zurechtkommt.

Warum erinnerte das Meer an den Mars?

Die Ähnlichkeit, von der Musilova sprach, bestand nicht darin, dass der Meeresboden der Marsoberfläche gleicht oder der Druck unter Wasser mit den Bedingungen im Weltraum übereinstimmt. Gemeint war das Lebensgefühl: die Trennung vom Alltag auf der Erde, die Abhängigkeit von einem begrenzten Habitat und der Blick auf eine Umwelt außerhalb der Fenster, die sich deutlich von der gewohnten Welt unterscheidet. Die grüne Unterwasserlandschaft gab der Crew das Gefühl, auf einen fremdartigen Ort zu schauen – auch wenn sie keiner Wüste und keiner fremden Planetenoberfläche ähnelte.

Der tägliche Ablauf sorgte für einen festen Rhythmus, während die schwierige Umgebung die Crew aufmerksam hielt. Forschung und Erkundung gaben dem Ganzen ein klares Ziel. Dieses Nebeneinander aus vertrauter Ordnung und ungewohnten Bedingungen ließ das Experiment in den Augen der Missionsleiterin „marsähnlich“ wirken. Das Leben fern der Erde kann neben technischen auch soziale, psychische und praktische Herausforderungen mit sich bringen. Simulierte Umgebungen sind daher hilfreich, um zu untersuchen, wie eine Crew arbeitet, wenn ein geschlossener Lebensraum für eine gewisse Zeit zum Mittelpunkt ihres Lebens wird.

Eine Simulation bleibt allerdings ein Werkzeug zum Üben und Verstehen – kein Ersatz für eine echte Weltraummission. Im Meereslabor konnten Luft, Wasser und Strom über Versorgungsleitungen bereitgestellt werden, und der Kontakt zum Kontrollteam blieb möglich. Raumflüge bringen andere Bedingungen mit sich, die sich nicht vollständig aus einem Unterwasserexperiment ableiten lassen. Der Wert der SEA-STAR-Mission liegt darin, dass eine Crew unter realen, anspruchsvollen Bedingungen Zusammenarbeit, Tagesablauf und Leben in relativer Abgeschiedenheit erproben kann. Zugleich hilft das Experiment, ganz praktische Fragen dazu zu stellen, was Menschen brauchen, wenn sie sich weit von ihrer gewohnten Umgebung entfernen.

Fazit

Bei der SEA-STAR-Mission verbanden sich ein Aufenthalt unter Wasser und Forschung mit Bezug zur Weltraumerkundung. Vier Personen lebten fünf Tage lang in der Jules‘ Undersea Lodge nahe Key Largo, ohne an die Oberfläche zurückzukehren. Sie stiegen durch den „Mondpool“ ein und wohnten in einem Habitat, das über Lebenserhaltungssysteme mit Luft, Wasser und Strom versorgt wurde. Für Notfälle konnten sie das Missionskontrollteam erreichen. Ihr Alltag umfasste Forschungsprojekte, Untersuchungen, Tests, Wartungsarbeiten und anstrengende Erkundungstauchgänge.

Im Vergleich zu früheren Einsätzen in der Station war das Experiment kurz. Dazu zählen ein 30-tägiges NASA-Projekt sowie zwei Missionen, die 73 beziehungsweise 100 Tage dauerten. Trotzdem zeigte die SEA-STAR-Mission, wie eine Unterwasseranlage konkrete Bedingungen schaffen kann, um Aspekte des Lebens in der Abgeschiedenheit zu erproben: den Umgang mit der Zeit, Teamarbeit, die Betreuung der Ausrüstung und Möglichkeiten, die Stimmung zu erhalten. Das Meer ließ die Crew nicht auf einem anderen Planeten leben. Es eröffnete ihr aber einen praktischen Einblick in Herausforderungen, die Menschen auf weiten Reisen erwarten könnten – und machte deutlich, wie wichtig der Alltag neben den großen wissenschaftlichen Zielen ist.