Einfach erklärt
In Malaysia soll eine neue Anlage wertvolle Metalle aus gebrauchten Materialien zurückgewinnen. Daraus will sie unter anderem Gold mit einem Reinheitsgrad von 99,99 Prozent herstellen. Die Anlage soll in Penang entstehen und 2029 den Betrieb aufnehmen. So könnten Rohstoffe aus der Elektronikindustrie in der Region wiederverwendet werden.
Ein gemeinsames Unternehmen mit klaren Anteilen
Das japanische Unternehmen TANAKA PRECIOUS METAL TECHNOLOGIES und das malaysische Unternehmen MEP Enviro Technology wollen gemeinsam eine Anlage bauen, die aufbereitetes Material untersucht und Edelmetalle daraus gewinnt. Sie soll im Industriegebiet Batu Kawan im malaysischen Bundesstaat Penang entstehen. Der Betrieb soll im April 2029 beginnen. Die Anlage soll es Malaysia ermöglichen, aufbereitetes Material vor Ort zu analysieren, Gold zu reinigen und Metallprodukte für die Elektronik- und Halbleiterindustrie herzustellen.
Das neue Unternehmen soll TANAKA MEP REFINERY SDN. BHD. heißen. Die Anteile sind festgelegt: TANAKA hält 66,7 Prozent, MEP die übrigen 33,3 Prozent. So kommen die industrielle Erfahrung eines japanischen Edelmetallunternehmens und das Fachwissen eines malaysischen Spezialisten für die Rückgewinnung von Rohstoffen zusammen. Der Standort Batu Kawan liegt in einem Industriegebiet von Penang. Die Anlage soll also nahe an den Industrieunternehmen in Malaysia entstehen, statt die Verarbeitung weit entfernt von diesen anzusiedeln.
Nach den bisherigen Plänen soll das Projekt mehr umfassen als das Einschmelzen von Rohmaterial und die Gewinnung fertiger Metalle daraus. Zu den vorgesehenen Aufgaben gehören die Analyse angelieferter Materialien, die Reinigung von Edelmetallen und die Herstellung von Produkten daraus. Außerdem soll das Unternehmen diese Produkte importieren, exportieren und verkaufen. Auch der Handel mit Edelmetallbarren sowie deren Vermietung und Lagerung sind vorgesehen. So entsteht eine Abfolge von Aufgaben, die von der Untersuchung des Eingangsmaterials bis zum Umgang mit den fertigen Metallprodukten reicht.
Der Bau beginnt, der Betrieb ist noch Zukunftsmusik
Am 8. Oktober 2026 fand auf dem vorgesehenen Gelände der erste Spatenstich statt. An der Zeremonie nahmen Vertreter beider Unternehmen sowie Amtsträger und weitere offizielle Gäste aus Penang teil. Dazu gehörten der Gouverneur des Bundesstaats, Tun Dato‘ Seri Utama Haji Ramli bin Ngah Talib, der Ministerpräsident Chow Kon Yeow und der japanische Generalkonsul in Penang, Shinya Machida. Auch weitere Regierungsvertreter waren anwesend. Der Spatenstich markiert den Übergang von der technischen Zusammenarbeit zum Bau der Anlage. Er bedeutet jedoch nicht, dass dort bereits produziert wird.
Als angestrebter Starttermin ist April 2029 angegeben. Bis dahin bleibt das Vorhaben ein langfristiges Industrieprojekt und führt nicht sofort zu einer höheren Metallproduktion. Die angekündigten Tätigkeiten sind zunächst Ziele für die künftige Anlage. In den veröffentlichten Informationen fehlen Angaben zur Produktionskapazität, zur jährlich verarbeiteten Materialmenge und zur erwarteten Zahl der Beschäftigten. Deshalb lässt sich allein anhand der Ankündigung weder die spätere Produktionsmenge noch der Marktanteil abschätzen.
Warum Edelmetalle recycelt werden
In Malaysia und anderen Ländern des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN) gibt es zahlreiche Betriebe, die Halbleiter, elektronische Bauteile und andere Industrieprodukte herstellen. Bei solchen Fertigungsprozessen können Reststoffe anfallen, die Edelmetalle enthalten. Das schafft einen Anreiz, diese Metalle zurückzugewinnen, statt die Reste als wertlosen Abfall zu behandeln. Lassen sich die Metalle aus den Materialien trennen und diese aufbereiten, können die gewonnenen Rohstoffe nach ihrer Untersuchung und Reinigung wieder in der Industrie verwendet werden.
Eine weitere Materialquelle sind ausgediente elektronische Geräte, die als Elektroschrott bezeichnet werden. Geräte verschwinden nicht einfach, wenn sie nicht mehr benutzt werden: Es braucht geeignete Wege, sie zu behandeln und wiederverwendbare Bestandteile zurückzugewinnen. Strengere Umweltvorschriften und das wachsende Interesse an Ressourcenschonung fördern deshalb die Aufbereitung solcher Abfälle dort, wo sie entstehen. Das geplante Projekt soll in diesem Zusammenhang Produktionsreste mit dem Bedarf an einer lokalen Nutzung und Weiterverarbeitung zurückgewonnener Rohstoffe verbinden.
Recycling bedeutet allerdings nicht, dass jedes zurückgewonnene Material automatisch zu einem unmittelbar verwendbaren Metall wird. Die Zusammensetzung kann unterschiedlich sein. Deshalb sieht der Plan vor, die Materialien vor der Reinigung zu untersuchen. Die Analyse zeigt, welche Bestandteile in den bereits aufbereiteten Stoffen enthalten sind, und hilft dabei, den passenden Weg zur Rückgewinnung der Metalle zu wählen. Die Unternehmen nennen die Materialanalyse neben der Reinigung und der Herstellung als Teil ihres Geschäftsmodells. Einzelheiten zu den Anlagen oder den konkreten Verfahren haben sie bislang nicht veröffentlicht.
Gold mit 99,99 Prozent Reinheit für die Industrie
In der ersten Betriebsphase will das Unternehmen Gold mit einem Reinheitsgrad von 4N herstellen. Das entspricht einem Goldanteil von 99,99 Prozent. Geplant ist außerdem Kaliumgoldcyanid, kurz PGC. Die Bezeichnung 4N beschreibt die Reinheit: Vier Neunen stehen für einen Goldanteil von 99,99 Prozent. Das angestrebte Metall wäre damit sehr rein und würde nur einen äußerst kleinen Anteil anderer Stoffe enthalten. Diese Werte beschreiben die geplante Anfangsproduktion; bislang wurde noch nichts hergestellt.
Die ersten Produkte sind für die Elektro- und Elektronikbranche sowie die Halbleiterindustrie vorgesehen. Das zeigt, dass die Anlage auf die Nachfrage der Industrie nach Metallmaterialien ausgerichtet ist und nicht bloß auf den Handel mit Gold in Form von Anlagebarren oder allgemeiner Handelsware. Kaliumgoldcyanid steht ebenfalls auf der Liste der geplanten Industrieprodukte. Die Ankündigung nennt jedoch weder die vorgesehene Produktionsmenge noch die konkreten Anwendungen, für die es eingesetzt werden soll. Auch ist nicht bekannt, ob sich das Produktsortiment nach der Anfangsphase ändern wird. Gesichert ist daher zunächst nur der Fokus auf hochreines Gold und PGC.
Die Zusammenarbeit begann schon vor dem Raffinerieprojekt
Die Kooperation der beiden Unternehmen begann nicht erst mit dem ersten Spatenstich. Im August 2024 unterzeichneten TANAKA und MEP eine Vereinbarung über technische Unterstützung bei der Rückgewinnung von Edelmetallen. Seitdem arbeiten sie gemeinsam daran, das Recycling dieser Metalle in Malaysia voranzubringen. Das neue Projekt führt diese Zusammenarbeit in einer dauerhaften Unternehmensstruktur fort: Statt sich auf technische Unterstützung zu beschränken, wollen die Partner ein Unternehmen gründen, das Materialien analysiert, Metalle reinigt, Produkte herstellt und mit ihnen handelt.
Nach den Plänen soll die Anlage Materialien erhalten, die MEP bereits vorab aufbereitet hat. Das gemeinsame Unternehmen soll sie anschließend untersuchen, die Edelmetalle reinigen und daraus Produkte herstellen. Diese sollen verkauft sowie importiert und exportiert werden können. Dabei ist es wichtig, die Vorbehandlung vor der Anlieferung von der Analyse und Reinigung in der neuen Anlage zu unterscheiden. Das Projekt verteilt die Aufgaben auf mehrere Schritte zur Metallrückgewinnung. Es beschreibt also keinen einzelnen Prozess, bei dem unsortierter Abfall direkt zu einem fertigen Produkt wird.
Erfahrung und Qualitätskontrolle für eine lokale Wertschöpfungskette
Die Partnerschaft stützt sich laut TANAKA auf die langjährige Erfahrung des Unternehmens mit der Reinigung und Verarbeitung von Edelmetallen. Hinzu kommt Wissen aus den Bereichen Qualitätskontrolle, Produktionsmanagement und verwandten Tätigkeiten. Diese Fähigkeiten sollen mit der Arbeit von MEP bei der Rückgewinnung von Rohstoffen verbunden werden. Ziel ist eine durchgehende Kette für das Recycling von Edelmetallen in Malaysia. Gemeint ist damit die Verknüpfung mehrerer Schritte: von der Annahme und Untersuchung vorbehandelter Materialien über die Reinigung bis hin zur Herstellung industrieller Produkte.
Eine verlässliche Qualitätskontrolle ist besonders wichtig, wenn Gold mit einem festgelegten Reinheitsgrad hergestellt werden soll. Für ein Industrieprodukt zählt nicht nur, dass es Gold enthält, sondern auch, ob seine Eigenschaften den Vorgaben entsprechen und gleichbleibend sind. Das Produktionsmanagement soll dafür sorgen, dass aus den angelieferten Materialien die vorgesehenen Endprodukte entstehen. Die Unternehmen haben bislang jedoch keine Einzelheiten zu Prüfverfahren, Qualitätsstandards oder Rückverfolgbarkeit veröffentlicht. Bestätigt ist daher lediglich, dass diese Kompetenzen Teil des geplanten Modells sein sollen – nicht, wie das Betriebsmodell im Detail aussehen wird.
Ein weiterer Baustein in einem globalen Recyclingnetz
TANAKA baut ein internationales Netzwerk zur Rückgewinnung und Reinigung von Edelmetallen auf. Dazu gehören Anlagen in Japan, Europa, Nordamerika, China, Taiwan und weiteren Regionen. Die geplante Anlage in Malaysia soll die Präsenz des Unternehmens in Südostasien erweitern und seine Aktivitäten in der ASEAN-Region stärken. Aus Sicht des Unternehmens kann eine regionale Aufstellung dabei helfen, Rohstoffe zurückzugewinnen und wiederzuverwenden sowie die Versorgung mit Edelmetallen stabiler zu machen.
In der Ankündigung heißt es nicht, dass die neue Anlage das bestehende Netzwerk ersetzen oder überflüssig machen soll. Sie ist vielmehr als Ergänzung zu einem größeren Verbund vorgesehen. Mehr Recyclingkapazität macht andere Bezugsquellen für Metalle nicht überflüssig. Sie eröffnet aber die Möglichkeit, einen Teil der Rohstoffe zurückzugewinnen, die bereits in industriellen Prozessen oder elektronischen Produkten verwendet wurden. Für Malaysia liegt die Bedeutung des Vorhabens laut Ankündigung darin, eine lokale Verbindung zwischen zurückgewonnenen Materialien, ihrer Reinigung und der Herstellung von Industrieprodukten zu schaffen. So soll die Rückgewinnung nicht länger als einzelner Schritt neben den Fertigungsketten stehen.
Was bislang offenbleibt
Die Ankündigung nennt den Standort, die Partner, ihre Eigentumsanteile, die ersten geplanten Produkte und den angestrebten Starttermin. Angaben zur Höhe der Investition und zur Verarbeitungskapazität der Anlage fehlen jedoch. Auch ist nicht bekannt, wie viel Gold sie möglicherweise herstellen oder wie viel Abfallmaterial sie annehmen wird. Ebenso gibt es keine Zahlen dazu, wie stark das Projekt Abfälle verringern oder die Verfügbarkeit von Metallen verbessern könnte. Derzeit lässt sich daher weder der Beitrag der Anlage zum malaysischen Markt noch ihr Einfluss auf die Versorgung der Region beziffern.
Diese offenen Fragen werden wichtig sein, wenn sich die Ergebnisse des Projekts beurteilen lassen. Im praktischen Betrieb hängt der Erfolg einer Recyclinganlage davon ab, ob sie regelmäßig geeignetes Material erhält, ob sie es zuverlässig analysieren und verarbeiten kann und ob ihre Produkte die Anforderungen der Industriekunden erfüllen. Diese Punkte lassen sich erst bewerten, wenn Betriebsdaten vorliegen; vorab sollte man keine Ergebnisse unterstellen. Bislang steht fest, dass die beiden Unternehmen das Projekt auf den Weg gebracht, einen Standort in Penang bestimmt und April 2029 als angestrebten Betriebsbeginn genannt haben. Für die Anfangsproduktion sind Gold mit 99,99 Prozent Reinheit und PGC vorgesehen.
Fazit
Das Vorhaben von TANAKA und MEP soll in Malaysia eine durchgehende Kette für die Rückgewinnung und Reinigung von Edelmetallen schaffen. Sie soll Rohstoffe aus der Elektronikfertigung und aus Elektroschrott nutzbar machen und vor Ort zu Industrieprodukten weiterverarbeiten. TANAKA wird 66,7 Prozent des gemeinsamen Unternehmens halten, MEP 33,3 Prozent. Die Anlage soll in Batu Kawan im Bundesstaat Penang entstehen und im April 2029 den Betrieb aufnehmen. Geplant sind die Analyse und Reinigung zurückgewonnener Materialien sowie die Herstellung von Metallprodukten. Zu Beginn sollen Gold mit einem Reinheitsgrad von 4N, also 99,99 Prozent, und Kaliumgoldcyanid produziert werden. Das Projekt setzt die im August 2024 begonnene technische Zusammenarbeit fort und erweitert TANAKAs internationales Recyclingnetz. Wie viel es tatsächlich produzieren und bewirken wird, lässt sich erst anhand späterer Betriebsdaten beurteilen.