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Was dein Akzent über deine politischen Ansichten verrät – und was nicht

Einfach erklärt

Wie Menschen sprechen, kann bei anderen bestimmte Vorstellungen auslösen – auch wenn sie das gar nicht beabsichtigen. In den Südstaaten sprechen manche junge Leute ihren regionalen Akzent weniger deutlich aus, vielleicht weil sie nicht für konservativ oder ländlich gehalten werden möchten. Doch am Klang einer Stimme lässt sich nicht zuverlässig ablesen, was jemand denkt oder wählt.

Ein Akzent – oder eine ganze Familie von Sprechweisen?

Politik steckt nicht nur in den Worten, die Kandidatinnen, Kandidaten und Wähler verwenden. Auch darauf, wie diese Worte klingen, kommt es an. Ein Akzent besteht aus Lautmerkmalen, die für eine bestimmte Gegend oder Gemeinschaft typisch sein können. Er kann bei Zuhörenden Vorstellungen über die Persönlichkeit oder politische Haltung eines Menschen wecken, noch bevor sie ihn überhaupt kennen. In den USA zeigt sich das besonders deutlich bei den Akzenten der Südstaaten – sie sind mit einer langen Geschichte von Klischees und widersprüchlichen Deutungen verbunden.

Sprachwissenschaftliche und politikwissenschaftliche Untersuchungen weisen auf einen Zusammenhang hin: Bestimmte ausgeprägte Merkmale südlicher Sprechweisen treten häufiger bei Menschen mit konservativen Ansichten und bei Republikanern auf. Andere Studien zeigen, dass Kandidatinnen und Kandidaten mit Südstaatenakzent konservativer wirken können als solche ohne diesen Akzent – besonders auf demokratische Zuhörende. Daraus folgt nicht, dass die Aussprache die tatsächlichen Überzeugungen eines Menschen offenbart. Die Ergebnisse werfen aber eine interessante Frage auf: Könnte die zunehmende politische Spaltung ein Faktor sein, der den Sprachwandel in den Städten des Südens mitprägt?

Wer an einen Südstaatenakzent denkt, hat vielleicht eine gedehnte, ruhige Sprechweise im Ohr oder den vertrauten ländlichen Ton aus Filmen und Fernsehserien. Doch der amerikanische Süden ist groß, und keine einzelne Sprechweise steht für alle Menschen dort. Die Laute unterscheiden sich von Region zu Region, zwischen Städten und kleineren Orten und auch je nach Alter und sozialem Hintergrund. Wer von einem einzigen Akzent spricht, übersieht daher die sprachliche Vielfalt, die sich über Generationen entwickelt hat.

Diese Vielfalt geht auf die Besiedlung während der Kolonialzeit zurück. Damals kamen Menschen aus unterschiedlichen Gegenden und sozialen Schichten in die Region und brachten ihre jeweiligen Sprechweisen mit. Spätere historische Umbrüche, darunter der Bürgerkrieg und die anschließenden Spannungen und kulturellen Unterschiede zwischen Nord und Süd, trugen dazu bei, regionale Besonderheiten zu festigen. Die daraus entstandenen Sprechweisen sind keine fehlerhaften Abweichungen von einer vermeintlich richtigen Aussprache. Sie haben ihre eigene Geschichte und ihre eigenen örtlichen Regeln.

Trotzdem werden Akzenten oft Bedeutungen zugeschrieben, die weit über die Sprache hinausgehen. Sie können warmherzig und bodenständig klingen, aber auch als Zeichen mangelnder Bildung oder Rückständigkeit gelten. Solche Urteile sagen weniger über die Aussprache als über die Vorstellungen aus, die Zuhörende vom Süden und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern haben. Ein Akzent misst weder Intelligenz noch Wissen – Klischees können jedoch den Eindruck erwecken, als täte er genau das.

Einige dieser Klischees verbinden den Südstaatenakzent mit dem Leben auf dem Land und mit kulturellen Merkmalen wie Jagen, Waffenbesitz, Country-Musik oder traditionellen gesellschaftlichen Ansichten. Solche Verbindungen entstehen durch Geschichte, mediale Darstellungen und Erwartungen, nicht allein durch den Klang einer Stimme. Deshalb können zwei Menschen ganz ähnlich sprechen und von Zuhörenden trotzdem unterschiedlich eingeschätzt werden – je nachdem, was diese über sie wissen oder von ihnen erwarten.

Was verraten die Vokale?

Einige Forschende untersuchen besonders die Vokale. Dabei handelt es sich um Laute, bei denen sich die Form des Mundes verändert, ohne dass der Luftstrom vollständig blockiert wird. In bestimmten südlichen Sprechweisen können Wörter wie pin und pen so ähnlich ausgesprochen werden, dass manche Sprecherinnen und Sprecher sie kaum noch unterscheiden. Auch andere Wörter können anders klingen: fire wird dann eher wie eine einzige Silbe gesprochen, oder bei said ist ein zusätzlicher Laut hörbar.

Diese Beispiele sind kein Test, mit dem sich feststellen ließe, ob jemand aus dem Süden stammt. Und sie treffen längst nicht auf alle Menschen in der Region gleichermaßen zu. Es sind Merkmale, deren Häufigkeit oder Ausprägung sich messen lässt. So können Forschende verschiedene Aussprachemuster miteinander vergleichen. Zu den untersuchten Beispielen gehören auch Lautformen, bei denen manche Menschen Wörter wie bed und ride anders aussprechen, als es in anderen Landesteilen üblich ist.

Studien aus Georgia, North Carolina und Tennessee haben die politischen Einstellungen von Wählerinnen und Wählern mit den Merkmalen ihrer Sprache verglichen. Dabei zeigte sich wiederholt ein ähnliches Muster: Teilnehmende, die stärker rechtsgerichtete Ansichten vertraten und bei früheren Präsidentschaftswahlen republikanisch gestimmt hatten, verwendeten häufiger südliche Lautmerkmale als Menschen mit eher linken Ansichten, die demokratisch gewählt hatten. Dass sich dieser Zusammenhang in drei Bundesstaaten zeigte, ist bedeutsam: Es spricht dafür, dass er nicht nur an einem einzigen Ort auftritt. Bewiesen ist damit aber nicht, dass die Politik allein für die unterschiedlichen Sprechweisen verantwortlich ist.

Der Vergleich zeigt, dass zwei Muster miteinander zusammenhängen. Für sich genommen beantwortet er jedoch nicht, was Ursache und was Wirkung ist. Vielleicht beeinflusst die politische Identität, welche sprachlichen Merkmale Menschen verwenden oder vermeiden. Ebenso könnten Sprachmuster und politische Zugehörigkeit von gemeinsamen sozialen Faktoren geprägt sein oder mit weiteren Einflüssen zusammenhängen. Deshalb wäre es falsch zu behaupten, ein Akzent mache jemanden konservativ oder erlaube eine verlässliche Vorhersage des Wahlverhaltens. Sprache kann hier ein möglicher sozialer Hinweis sein, ist aber kein zuverlässiger politischer Ausweis.

Wenn das Publikum den Akzent hört, bevor es das Argument hört

Auch im Wahlkampf spielt die Stimme eine Rolle. Untersuchungen zur Wahrnehmung von Kandidatinnen und Kandidaten zeigen: Wer mit Südstaatenakzent spricht, wird im Allgemeinen für konservativer gehalten als jemand mit einem Akzent aus einer anderen Region. Bei demokratischen Zuhörenden ist dieser Eindruck besonders ausgeprägt. Das heißt nicht, dass alle Wählerinnen und Wähler gleich urteilen. Es deutet aber darauf hin, dass der Klang einer Stimme neben den Worten und den öffentlich vertretenen Positionen den ersten Eindruck von einer kandidierenden Person mitprägt.

Wer eine politische Aussage hört, nimmt nicht nur die Wörter wahr, sondern auch ihren Rhythmus und die Laute. Ist ein Akzent im Kopf mit dem Landleben oder traditionellen Werten verknüpft, können Zuhörende die politische Botschaft durch diesen Deutungsrahmen verstehen – selbst wenn die sprechende Person kein Thema anspricht, das mit diesem Bild zu tun hat. So funktionieren Klischees: Ein sichtbares oder hörbares Merkmal, etwa die Aussprache, dient als Schlüssel für Annahmen über weitere Eigenschaften, die sich aus dem Klang allein gar nicht ableiten lassen.

In einer Gesellschaft, in der politische und kulturelle Identitäten stärker miteinander konkurrieren, können alltägliche Zeichen zu Symbolen der Zugehörigkeit werden. Ein mit amerikanischen Flaggen geschmücktes Fahrzeug oder Country-Musik wird mitunter als politisches Signal gelesen. Auch ein Südstaatenakzent kann als Zeichen konservativer Überzeugungen gelten. Doch ein Symbol sagt nicht immer etwas Eindeutiges über die Person aus: Jemand kann eine bestimmte Musik mögen oder einen regionalen Akzent sprechen, ohne deshalb alle Ansichten zu teilen, die andere damit verbinden.

Städte im Süden, eine neue Generation

Während viele Menschen den Südstaatenakzent mit regionaler Identität verbinden, dokumentieren neuere sprachwissenschaftliche Studien, dass einige seiner markantesten Merkmale bei jungen Menschen in Städten des Südens zurückgehen. Bei manchen von ihnen werden pin und pen seltener gleich ausgesprochen. Auch Formen wie das einsilbige fire oder der zusätzliche Vokallaut in said werden seltener verwendet. Das bedeutet nicht, dass der ganze Akzent verschwindet. Vielmehr treten bestimmte Merkmale bei einigen jungen Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohnern weniger deutlich hervor.

Der Zusammenhang zwischen Sprache und Politik bietet eine mögliche Erklärung für diesen Wandel. Vielleicht versuchen junge Menschen in Städten nicht, ihre Herkunft aus dem Süden abzulegen. Möglicherweise möchten sie aber das Bild vermeiden, das häufig mit dem Akzent verbunden wird: das eines ländlichen, konservativen Umfelds. In diesem Sinne könnte eine weniger ausgeprägte Aussprache indirekt Abstand zu einer sozialen oder kulturellen Vorstellung ausdrücken – nicht etwa eine Ablehnung der Region oder ihrer Geschichte.

Diese Erklärung erfasst jedoch nicht alle Fälle und klärt auch nicht die Beweggründe einzelner Menschen. Niemand entscheidet bewusst über jeden Laut beim Sprechen. Aussprachemuster können sich auch durch den täglichen Kontakt mit anderen oder durch das Umfeld verändern, in dem jemand lebt. Zudem haben Menschen mehrere Zugehörigkeiten zugleich: Ein junger Mensch kann seine Wurzeln im Süden schätzen, in einer vielfältigen Stadt leben und politische Ansichten haben, die nicht dem Bild entsprechen, das andere mit seinem Akzent verbinden. All das auf eine einzige Ursache zurückzuführen, würde die Komplexität des sozialen Lebens verkennen.

Auch andere Faktoren können den Wandel in den Städten erklären. Zuzug aus anderen Teilen der USA hat den Kontakt zwischen Menschen mit unterschiedlichen Akzenten verstärkt. Über soziale Medien können junge Leute außerdem Menschen aus vielen Regionen verfolgen, verschiedene Sprechweisen hören und sich regelmäßig mit ihnen austauschen. Dadurch können lokale Sprachmerkmale an Verbreitung verlieren oder sich verändern, ohne dass politische Überzeugungen der unmittelbare Auslöser sein müssen.

Südliche Akzente machen sich auf den Weg

Sprachliche Merkmale aus dem Süden wandern nicht nur in eine Richtung. Neuere Untersuchungen haben einige davon auch bei Menschen außerhalb der Südstaaten gefunden, besonders in ländlichen Gegenden, wo ein traditioneller Lebensstil und manchmal auch konservative Ansichten positiv bewertet werden. In einem kleinen ländlichen Ort im Bundesstaat Ohio hing die eigene Beschreibung als eher ländlich geprägter Mensch damit zusammen, dass südlich klingende Lautmerkmale häufiger verwendet wurden. Dazu gehörte eine Aussprache von bye, die dem Wort baa ähnelte.

Die Beobachtung zeigt, dass sprachliche Merkmale nicht unbedingt nur durch Migration an neue Orte gelangen. Menschen können bestimmte Laute auch übernehmen, weil sie zu einem Bild passen, das sie von sich vermitteln möchten. In einer Gegend kann ein südlicher Akzent auf die Herkunft vor Ort verweisen, anderswo dagegen zum Symbol für das Landleben oder für Tradition werden. Ein einzelner Ort reicht allerdings nicht aus, um daraus Schlüsse über alle ländlichen Gegenden oder über alle Menschen zu ziehen, die einen bestimmten Lebensstil bevorzugen.

So entwickeln sich unterschiedliche Trends zugleich: Manche junge Menschen in Städten des Südens lassen ihren Akzent weniger deutlich hervortreten, während Sprecherinnen und Sprecher in ländlichen Gegenden außerhalb des Südens einige der damit verbundenen Merkmale übernehmen. Sprache ist kein festes Archiv von Lauten. Sie verändert sich, wenn Menschen zwischen Regionen unterwegs sind, Beziehungen aufbauen und den eigenen oder anderen Identitäten neue Bedeutungen geben.

Was geht verloren, wenn wir Menschen nach ihrer Stimme einordnen?

Wird ein Akzent zum politischen Kürzel, gerät leicht aus dem Blick, wofür er tatsächlich steht: für Geschichte, alltägliche Sprachpraxis und regionale Zugehörigkeit. Sprecherinnen und Sprecher können vorschnell als konservativ, ländlich oder weniger gebildet eingeordnet werden, nur weil ihre Stimme ein regionales Merkmal trägt. Wer dieses Merkmal weniger deutlich ausspricht, muss sich möglicherweise anderen Annahmen über das eigene Verhältnis zu Herkunft und Gemeinschaft stellen. In beiden Fällen wird die Stimme in ein engeres Bild gepresst, als es dem Leben der betreffenden Person gerecht wird.

Die Verbindung eines Akzents mit einem politischen Lager kann außerdem die Vielfalt innerhalb der Region ausblenden. Der Süden ist keine einheitliche Gruppe, und seine Bewohnerinnen und Bewohner teilen weder dieselben Ansichten noch dieselben Erfahrungen. Schon innerhalb eines Bundesstaats, ja sogar innerhalb einer Stadt, können große Unterschiede bestehen. Wer einen Akzent als Beweis für eine politische Identität versteht, verwechselt die sprachliche Geschichte eines Menschen mit den Ansichten, die er äußert, oder den Entscheidungen, die er trifft.

Sprachforschung kann solche Mechanismen sichtbar machen. Sie gibt uns jedoch keinen Grund, aus der Aussprache eines Menschen auf dessen Überzeugungen zu schließen. Entscheidend ist, allgemeine Muster in einer Gruppe von Urteilen über Einzelpersonen zu unterscheiden. Mit der nötigen Vorsicht können Forschungsergebnisse zeigen, wie Klischees die politische Kommunikation beeinflussen und wie sich Sprache unter dem Einfluss kultureller Veränderungen, von Migration, Medien und gesellschaftlicher Spaltung wandelt.

Fazit

Der Südstaatenakzent zeigt, dass Stimmen soziale Bedeutungen tragen können, die über das Gesagte hinausgehen. Manche Zuhörende verbinden die südliche Aussprache mit konservativen Ansichten. Studien aus Georgia, North Carolina und Tennessee fanden zudem einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit bestimmter Lautmerkmale, eher rechten Einstellungen und einer republikanischen Wahlentscheidung bei früheren Präsidentschaftswahlen. Zugleich werden einige dieser Merkmale bei jungen Menschen in Städten des Südens seltener, während verwandte Formen bei manchen Menschen in ländlichen Gegenden außerhalb der Region auftreten, die sich zu traditionellen Lebensweisen hingezogen fühlen.

Das belegt jedoch weder, dass Politik allein die Sprechweise verändert, noch taugt ein Akzent als verlässlicher Maßstab für die Überzeugungen eines Menschen. Zuwanderung, Kontakte über soziale Medien und unterschiedliche Lebensumfelder können ebenfalls zum Sprachwandel beitragen. Eine regionale Sprechweise ist ein beweglicher Teil der Identität. Wer sie als fertiges Urteil über die politische Zugehörigkeit einer Person behandelt, übersieht die kulturelle und menschliche Vielfalt, die in ihr steckt.