Einfach erklärt
Im Oktober 1970 flog die unbemannte sowjetische Raumsonde Zond 8 um den Mond und kehrte anschließend zur Erde zurück. Sie sollte zeigen, ob eine solche Reise auch mit Menschen an Bord möglich wäre. Auf dem Rückweg gab es technische Probleme, doch die Sonde landete sicher im Meer und wurde geborgen.
Im Herbst 1970 startete Zond 8 zu einer Reise, bei der es nicht darum ging, auf dem Mond zu landen. Die Sonde sollte ihn umrunden und anschließend zur Erde zurückfliegen. Auf den ersten Blick war es ein weiterer unbemannter Raumflug. Dahinter stand jedoch ein größeres Vorhaben: Mit der Mission sollte ein Raumschiff erprobt werden, das eines Tages sowjetische Kosmonauten um den Mond bringen sollte. An Bord saß niemand – trotzdem war der Erfolg für die geplanten bemannten Flüge von Bedeutung.
Zond 8 hob am 20. Oktober 1970 ab und kehrte etwa eine Woche später, am 27. Oktober, im Indischen Ozean zur Erde zurück. Während des Flugs fotografierte die Sonde die Erde und den Mond. Bei ihrer größten Annäherung kam sie bis auf 1.120 Kilometer an die Mondoberfläche heran. Der Rückflug verlief allerdings nicht ganz nach Plan: Ein Sonnensensor, der bei der Orientierung der Sonde helfen sollte, fiel aus, und auch das Steuerungssystem bereitete Probleme. Dennoch erreichte Zond 8 die Erde unbeschadet und wurde aus dem Meer geborgen.
Von der Planetenerkundung auf die Route zum Mond
Der Name Zond stand nicht nur für eine einzige Art von Raumfahrtmission. Die ersten drei Missionen des Programms waren auf die Erkundung der Planeten Venus und Mars ausgerichtet. Bei mehreren späteren Flügen rückte dann der Mond in den Mittelpunkt. Die dafür eingesetzten Zond-Sonden umrundeten ihn und flogen anschließend zurück zur Erde. So konnten Ingenieure eine Reise weit über die Erdumlaufbahn hinaus erproben, ohne dabei Menschen an Bord zu gefährden.
Diese Tests waren besonders wichtig, weil Moskau einen Kosmonauten auf eine Reise um den Mond schicken wollte. Zond 8 war also nicht einfach nur eine unbemannte Sonde für wissenschaftliche Untersuchungen. Sie stand auch mit dem Entwurf des Raumschiffs L1 in Verbindung, das als Grundlage für einen bemannten Flug um den Mond vorgesehen war. Die Mission erprobte deshalb ganz praktisch mehrere Abschnitte einer solchen Reise: den Aufbruch aus der Nähe der Erde, den Vorbeiflug am Mond und schließlich die Rückkehr.
Zu diesem bemannten Flug kam es jedoch nie. Die Sowjetunion schickte keine Besatzung zum Mond; unbemannte Missionen dienten dazu, die Systeme vor einem möglichen Einsatz mit Menschen an Bord zu testen. Den sowjetischen Plänen standen technische Schwierigkeiten entgegen. Außerdem hatten die Vereinigten Staaten die Sowjetunion bereits überholt und Astronauten auf der Mondoberfläche landen lassen. Zond 8 hat daher eine doppelte Bedeutung: Die Sonde meisterte erfolgreich den Rückflug, zugleich erinnert ihre Mission an ein bemanntes Mondprogramm, das nie verwirklicht wurde.
Ein Raumfahrtrennen mit verändertem Ausgang
Als Zond 8 im Oktober 1970 die Erde verließ, war der Wettbewerb um die erste bemannte Mondlandung längst nicht mehr so offen wie in seinen Anfangsjahren. Die Astronauten von Apollo 11 hatten im Juli 1969 den Mond betreten. Im November desselben Jahres folgte die Mission Apollo 12. Im April 1970 geriet Apollo 13 im All in eine Krise, die mit der Rückkehr der Besatzung zur Erde endete. Die Rettung der Astronauten wurde zu einem herausragenden Ereignis in der Geschichte der bemannten Raumfahrt.
Das bedeutete nicht, dass Zond 8 nun bedeutungslos war. Die Sonde hatte ein anderes Ziel, als Menschen auf der Mondoberfläche abzusetzen: Sie sollte einen Flug um den Mond und zurück erproben – eine Route, die auch für die geplante Reise eines sowjetischen Kosmonauten infrage kam. Zwischen einem erfolgreichen unbemannten Flug und einer bemannten Mission besteht allerdings ein großer Unterschied. Ein Raumschiff mit Menschen an Bord braucht zuverlässige Systeme. Jede Störung bei der Steuerung oder bei der Rückkehr kann für die Besatzung gefährlich werden. Deshalb waren auch unbemannte Tests weiterhin von praktischem Wert, nachdem die Vereinigten Staaten die erste Mondlandung für sich entschieden hatten.
Die Geschichte von Zond 8 zeigt außerdem, dass das Raumfahrtrennen nicht allein aus symbolträchtigen Bildern oder dem Erreichen eines Ziels bestand. Ein Raumschiff zu bauen, das den Mond erreichen und wieder zur Erde zurückkehren konnte, erforderte Tests der gesamten Flugroute. Dazu gehörten der Vorbeiflug am Mond, die Ausrichtung des Raumschiffs und die Rückkehr zur Erde. Die verfügbaren Quellen schildern in diesem Zusammenhang nicht im Einzelnen, wie jedes System funktionierte, und liefern auch keine ausführlichen technischen Ergebnisse zu jedem Test. Klar ist jedoch: Der Flug war Teil eines Programms für eine bemannte Mission, und trotz eines Defekts auf dem letzten Abschnitt kehrte die Sonde zurück.
Bilder vom Flug: ein neuer Blick auf die Erde
Zond 8 hatte keine Kosmonauten an Bord, brachte aber eindrucksvolle Aufnahmen mit zurück. Die Kameras der Sonde fotografierten die Erde und den Mond. Auf einem der Bilder ist die Erde über dem Mondhorizont zu sehen; aufgenommen wurde es am 24. Oktober 1970. Die Ansicht zeigt unseren Planeten in einem ungewohnten Zusammenhang: als leuchtende Scheibe, die weit entfernt über der Oberfläche einer anderen Welt steht – statt als vertrauten Anblick von der Erde aus.
Das Bild erinnerte an die Aufnahmen des Erdaufgangs, die durch den Flug von Apollo 8 im Jahr 1968 berühmt geworden waren. Daraus folgt nicht, dass beide Missionen gleich waren: Sie unterschieden sich sowohl bei den Raumschiffen als auch bei den Flugrouten und Zielen. Doch das Bild macht deutlich, wie ein Flug um den Mond einen neuen Blick auf die Erde eröffnen kann. So wurde aus einer Testmission zugleich ein historisch wertvolles visuelles Dokument. Zu sehen ist nicht nur der Mond: Auch die Erde wird Teil der Landschaft, die sich dem Raumschiff aus der Ferne bietet.
Die Aufnahmen sind auch deshalb bemerkenswert, weil sie belegen, dass Zond 8 den Flug um den Mond abgeschlossen hatte, bevor auf dem Rückweg ein Problem auftrat. Häufig wird die Mission vor allem mit der späteren Panne in Verbindung gebracht. Doch die Sonde kam bei ihrer größten Annäherung bis auf 1.120 Kilometer an die Mondoberfläche heran und fotografierte Erde und Mond. Damit vereinte der Flug die Erprobung der Route, die Rückkehr zur Erde und die Dokumentation einer unbemannten Mission in der Nähe des Mondes.
Die Panne, die den Rückflug veränderte
Das Ende des Flugs verlief nicht völlig reibungslos. Auf dem Rückweg fiel ein Sonnensensor aus, der dazu diente, die Ausrichtung des Raumschiffs zu bestimmen. Wenn eine Sonde ihre Lage nicht zuverlässig kennt, wird es schwierig, sie während der einzelnen Flugphasen korrekt auszurichten. Bei Zond 8 führte der Defekt dazu, dass sie auf einer kürzeren und steileren Bahn in die Erdatmosphäre eintrat. Zudem wurde von einer Störung im Steuerungssystem berichtet. Die Probleme verhinderten die Rückkehr zwar nicht, doch das Ende der Reise verlief anders als vorgesehen.
Die Rückkehr zur Erde war bei einer solchen Mission ein besonders heikler Abschnitt. Es reichte nicht, den Mond zu umrunden: Die Sonde musste auch in einem Gebiet niedergehen, in dem sie gefunden und geborgen werden konnte. Am 27. Oktober 1970 landete Zond 8 im Indischen Ozean. Gestartet war sie am 20. Oktober, der Flug hatte also ungefähr eine Woche gedauert. Ein Bergungsschiff nahm die Sonde in Empfang und holte sie aus dem Meer. Damit endete die Mission ohne Besatzung an Bord, aber mit dem klaren Erfolg, das Raumschiff nach einer vollständigen Mondumrundung zurückzuholen.
Die Bezeichnung „erfolgreiche Mission“ sollte nicht so verstanden werden, als sei alles nach Plan verlaufen. Der Ausfall des Sonnensensors, die geänderte Rückflugbahn und die Probleme mit der Steuerung zeigen, dass es während des Flugs ernsthafte Schwierigkeiten gab. Der Erfolg bestand darin, dass die Sonde trotz dieser Probleme unbeschadet zurückkehrte und geborgen werden konnte. Das ist ein wichtiger Punkt bei der Bewertung von Raumfahrttests: Eine Mission kann Schwachstellen sichtbar machen und zugleich zeigen, dass ein Raumschiff zentrale Abschnitte einer Reise bewältigen kann.
Der letzte Flug des Zond-Programms
Zond 8 war die letzte Mission des Zond-Programms und beendete damit eine Reihe von Tests. Einige davon hatten mit der Erkundung der Planeten zu tun, mehrere spätere Flüge waren dagegen auf Mondrouten und die Rückkehr zur Erde ausgerichtet. Das Ende des Programms bedeutete nicht, dass die Sowjetunion die Weltraumforschung einstellte. Später entwickelte das Land weiterhin Raumstationen der Saljut-Serie. Diese Entwicklung führte schließlich zur langlebigen Raumstation Mir.
Besonders eng verbunden blieb Zond 8 jedoch mit dem Versuch, Menschen zum Mond zu schicken. Die unbemannte Sonde machte den geplanten Ablauf greifbar: Sie startete von der Erde, flog zum Mond, passierte ihn in geringer Entfernung und kehrte anschließend zurück. Die größte Annäherung von 1.120 Kilometern war Teil eines Tests der Flugbahn – nicht der Versuch einer Landung. Diese Unterscheidung ist wichtig: Zond 8 landete nicht auf dem Mond und hatte keine Kosmonauten an Bord. Die Sonde umrundete den Mond und flog zurück zur Erde.
Auch wenn das bemannte Projekt nie verwirklicht wurde, war der Flug nicht folgenlos. Er erprobte eine Route um den Mond, brachte Bilder von Erde und Mond zur Erde zurück und zeigte zugleich, wie eine Störung bei der Bestimmung der Fluglage die Berechnung des Rückflugs verändern konnte. Gerade das Zusammenspiel von Erfolg und Einschränkungen macht die Mission zu mehr als dem letzten Eintrag in einer Startliste. Sie ist ein kompaktes Beispiel für große Raumfahrtambitionen – und für die technischen Hürden, die verhindern können, dass aus einem Testflug eine Mission mit Menschen an Bord wird.
Fazit
Zond 8 startete am 20. Oktober 1970 als letzte Mission des Zond-Programms. Der Flug gehörte zu einer Reihe von Tests, die einen sowjetischen bemannten Flug um den Mond mit dem Raumschiff L1 vorbereiten sollten. Die Sonde umrundete den Mond, kam bis auf 1.120 Kilometer an seine Oberfläche heran und fotografierte Erde und Mond. Darunter war eine Aufnahme der Erde über dem Mondhorizont vom 24. Oktober. Auf dem Rückweg fielen ein Sonnensensor und Teile der Steuerung aus; dadurch änderte sich die Flugbahn. Trotzdem erreichte die Sonde am 27. Oktober den Indischen Ozean und wurde geborgen. Zond 8 brachte keine Kosmonauten zum Mond und führte auch nicht zu einem sowjetischen bemannten Mondflug. Die Mission zeigte jedoch, dass eine Reise um den Mond und zurück möglich war – und dass ein erfolgreicher Testflug nicht bedeutet, dass keine Risiken oder technischen Störungen auftreten.